gelesen :: Ich bin dann mal weg

gelesen :: Ich bin dann mal weg

Im Sommer verfolgte ich die Wanderung von München nach Venedig von @bellawhitehazelnut, eine Frau, die mich sehr inspiriert, auf Instagram. Einige von euch kennen sie vielleicht noch als die Frau hinter Moseskinder-Tragetüchern/Mei Teis. Sie schläft im Wald, baded in Eiswasser und hat die tollsten Muskeln. Aber bevor ich hier ins Schwärmen komme, schwenke ich zurück zu der Wanderung. Die hat mich nämlich an Pilgerreisen denken lassen. Woraufhin ich mich ein bisschen belesen habe. Ich möchte nicht bis nach Spanien pilgern, kann mir aber den ein oder anderen Pilgerweg in Deutschland gut vorstellen. Ein bisschen rauskommen, in Bewegung sein, mir selbst (und Gott) begegnen, Abstand gewinnen und wieder einen neuen Blick auf Alltag und leben erlangen. Klingt nett.

Bei meinen Recherchen habe ich herausgefunden, dass die offizielle Via Regia ganz in der Nähe meiner Eltern entlangführt. Es gibt eine Website zu den sächsischen Pilgerwegen und einen Pilgerführer dazu (den ich mir gleich bestellt habe). Interessant, wie man auch nach so vielen Jahren noch neue Dinge über die alte Heimat erfahren kann.

Bei einem Besuch und Austausch mit einer Freundin, empfahl sie mir dann von Hape Kerkelin das Buch über seine Pilgerreise 2001 auf dem Jakobsweg. Das hatte ich tatsächlich noch nicht gelesen.

Ich bin dann mal weg

Da ich im Sommer eh sehr lesehungrig war, schloss ich das Buch gleich an die Reihe Bücherdiebin und Miroloi an. Etwas leichtere Lektüre nach den beiden intensiven Büchern. Und in der Tat las sich kerkelin sehr unterhaltsam und entspannt. Zur Mitte des Buches hin, mit fortschreiten seiner Pilgerreise, wurde es dann auch etwas tiefgründiger und philosophischer. Genau dieser Wechsel zwischen Pilgererlebnisse, Geschichten aus der Vergangenheit, Reisende, die er traf und Dinge die er erlebte gepaart mit seinen Gedankengängen und Einsichten macht das Buch so kurzweilig und unterhaltsam. Nach Santiago de Compostella will ich wirklich nicht pilgern, da bin ich gerade noch zu Weichei, aber die ein oder andere Erfahrung einer mehrtägigen Wanderung kann ich mir wohl vorstellen. Vielleicht beginne ich irgendwo auf der sächsischen pder thüringischen Via Regia oder suche mir einen anderen Pilgerweg hier in Bayern.

Lieblingszitate und Gedanken

„Wir müssen alle auf die eine oder andere Weise unweigerlich durch unsere Nächte wandern und besser, wir tun es freiwillig und gleichmütig, als dass wir vom Schicksal unweigerlich in sie hineingezwungen werden, denn sie sind ein wesentlicher Bestandteil unseres Lebens.“ S.145

„Egal ob Gott eine Person, eine Wesenheit, ein Prinzip, eine Idee, ein Licht, ein Plan oder was auch immer ist, ich glaube, es gibt ihn!“ S.186

„Gott ist der Film und die Kirche ist das Kino, in dem der Film läuft. Ich hoffe, wir können uns den Film irgendwann in bester 3-D- und Stereo-Qualität unverfälscht und mal in voller Länge angucken! Und vielleicht spielen wir dann ja sogar mit!“ S.187

„Man wird ganz friedlich und ordnet in aller Ruhe die eignen Gedanken. Da geht es zum Teil um völlig banale Dinge, die aber im Sterbeprozess unglaubliche Wichtigkeit bekommen. Vorallem geht es aber um die Frage: Was tue ich anderen und was tun andere mir! Tiere übrigens eingeschlossen.“ S.190

„Ich versuche mir Gott in mir vorzustellen und ich fühle mich wohl. Ist es das? Muss ich mir „es“ einfach in mir vorstellen? Vielleicht muss ich mir nur vorstellen, was ich gerade benötige? Das werde ich in den nächsten tagen mal testen, dazu ist eine Pilgerfahrt ja da.“ S.202

„Courage! Wofür brauche ich Mut? Wenn ich das W in Wut einfach umdrehe, wird ein M daraus und Wut wird zu Mut. Kann ich Wut in Mut verwandeln?“ S.221

„Ich werde hier von Tag zu Tag freier und das Hin und Her in meiner Gefühlswelt auf dem Camino ergibt plötzlich einen klaren Sinn. Durch alle Emotionsfrequenzen habe ich mich langsam auf eine Frequenz eingetunt und hatte einen großartigen Empfang. Totale gelassene Leere ist der Zustand, der ein Vakuum entstehen lässt, das Gott dann entspannt komplett ausfüllen kann. Also Achtung! Wer sich leer fühlt, hat eine einmalige Chance im Leben!“ S.241

„Während meines Weges hab ich mich immer wieder gefragt, was eigentlich Leiden ist. Am Ende ist Leiden doch ein „Nicht-Verstehen“. Und wenn man etwas nicht versteht, muss man vertrauen haben. So ist es also manchmal auch unsere Haltung, die uns leiden lässt.“ S.245

„Jeder einzelne Wandertag war ebenso strukturiert wie der gesamte Camino. Das Detail ist das Abbild des Ganzen. Eins ist in Allem und Alles ist in Einem.“ S.342

„Jeder Mensch sucht nach Halt. Dabei liegt der einzige Halt im Loslassen.“ S.343

 

Ich bin dann mal weg, Hape Kerkelin, Malik* (Buch7)

 

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2 Gedanken zu „gelesen :: Ich bin dann mal weg

  1. Hallo.
    Das Buch habe ich auch gelesen, allerdings schon vor ein paar Jahren, und fand es auch sehr gut. Ich musste oft sehr schmunzeln und fühlte mich gut mitgenommen auf seiner Reise.
    LG Bianca

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