Montag :: Reiten

Montag :: Reiten

Montage sind fürwahr nicht meine Lieblingstage. Das liegt nicht am Montag per se, sondern an den Terminen, die auf diesen Tag fallen. Das war in der Vergangenheit auch mal Donnerstag oder Dienstag. Eigentlich ist es nur ein Termin. Die Reitstunde der Tochter.

himmel

Terminfreie Montage sind mein Ideal
Ich strebe immer an, mir Montage terminfrei zu halten, um entspannter in die Woche zu kommen. Das hat sich irgendwann mal so ergeben und fühlt sich am geschmeidigsten an. Nun ist mein Alltag aber nicht immer selbstbestimmt, d. h. nicht immer kann ich mir den Tag einrichten, wie ich am idealsten Arbeiten oder Sein könnte.

Wie ein Nachmittagstermin die Familienlogistik bestimmt
Montags hat die Tochter am Nachmittag Reiten. Daraus resultiert, daß ich montags das Auto brauche. Denn ohne Auto kommt man hier nicht weit weg. Das wiederum hat zur Folge, daß ich den Mann zum Bahnhof fahren und abends wieder abholen muß. Ich stehe morgens gegen 6:45 auf und bereite den beiden großen Kindern Frühstück und Brotzeit. Die Tochter macht sich morgens alleine fertig, beim Wolf muss ich noch bissl ein Auge drauf haben. Je nachdem, wie ausgeschlafen er ist, klappt das aber meistens ganz gut. Der Sterngucker ist immer als erster aktiv. Er hat sofort Hunger und kann unter keinen Umständen auch nur eine Minute länger auf etwas Essbares warten. Manchmal bedient er sich auch selbst, während ich nur mal kurz zum Klo gehe. Heute hat er sich aus dem Schrank die Kuvertüre zum Backen erklettert und ein Stück von abgebissen. Die Kinder frühstücken, 7:40 ziehen sie sich an und gehen zum Bus.
Der Mann geht es morgens gemächlicher an. Er steht immer erst auf, wenn die Kinder schon beim Schulbus sind. Ich mache mich tagfertig, während er Smoothie mixt. Dann frühstücken wir. Der Sterngucker nochmal mit. Er ist ein Hobbit und kann mehre Frühstücke zu sich nehmen. Auch mehrere Mittagessen, Zischenmahlzeiten und Abendessen. Nach dem Frühstück machen wir auch den Sterngucker tagfertig und ich fahre den Mann zum Bahnhof (10 km pro Strecke)

An (Lohn-)Arbeit nicht zu Denken
Wenn ich zurück bin, kann ich versuchen, ein bisschen zu Arbeiten. Mit dem herumwuselnden Sterngucker ist das eher unmöglich. Ich schaue die ganze Zeit, daß er die Wohnung nicht zerlegt oder die Zimmer seiner Geschwister verwüstet. Er hat viele tolle Idee, sich zu beschäftigen. jedoch sind die nicht immer kompatibel mit den Vorstellungen, die ich vom Zustand unsers Hauses, unserer Lebensmittelvorräte (Hobbit!) oder unserer Möbel habe. Ich arbeite die dringendsten Terminsachen ab, ansonsten beantworte ich Emails, mache Haushalt und Kleinkram. Ich habe endlich meinen Flickkorb leergenäht, Unterlagen gescannt, Datein gedruckt usw. Ich müsste auch ein paar Termine telefonisch ausmachen, das geht aber nicht, weil der Sterngucker die ganze Zeit an mich ranredet, vorallem wenn ich am Telefon bin.

Mittags ohne Ruhe
12:30 habe ich das Telefon in der Nähe. Da ist Telefonzeit im Kindergarten, wo die Kinder Verabredungen treffen können. Tatsächlich ruft der Wolf an und möchte einen Freund mitbringen. Das geht heut aber nicht. Er möchte aber auch nicht zu seinem Freund hin. Also kommt er 13:30 mit der Tochter im Schulbus nach Hause. Wir essen Mittag und verbringen die Zeit mehr schlecht als recht. Die Jungs kloppen sich oder schreien sich gegenseitig an. Irgendwas muss in der Luft liegen. Die Welt ist ungerecht, Mama doof (oder andere Schimpfwörter) und überhaupt an allem schuld.

Reitstunde und die Zeit, die zu überbrücken ist
15:45 fahre ich die Tochter zum Reiten. Der Wolf bleibt da und spielt, den Sterngucker nehme ich mit. Ich bin recht schnell zurück, erledige noch etwas Kleinkram und bereite das Abendessen vor. Die Reitstunde dauert 1,5 h. Manchmal fahre ich in dieser zeit auch nicht nach Hause, sondern gehe mit den Jungs im Bioladen einkaufen, zur Post oder auf den Spielplatz. Was eben gerade anliegt. 17:30 will ich die Tochter wieder einsammeln. Der Wolf und der Sterngucker tanzen derweil zu „Gangnam Style“ und „I like to move it“. Dann ist es Zeit, die Tochter und den Mann abzuholen. Der Wolf bleibt wieder daheim und tanzt weiter, ich fahre mit dem Sterngucker noch schnell was einkaufen, dann weiter zum Reitstall und zum Bahnhof. Ich bin froh, daß der Wolf alt genug ist, daß ich ihn auch mal eine Weile allein daheim lassen kann. Das entspannt das ganze etwas. Schwierig sind immer die Montage, wo alle im Auto sitzen, wenn wir die Tochter vom Reitstall abholen. Da kommt es zwischen den hungrigen und müden Kindern schon gern mal zu Liebesbekundungen der anderen Art.

Abendessen und Feierabend
18:15 sind wir alle zurück und essen Linsensalat mit Brot. Alle sind hungrig, müde und wollen gleichzeitig erzählen. Es ist laut. Ich wünsche mir einen Essraum, wo ich in Stille meine Mahlzeit geniessen kann. Es wird ruhiger nachdem alle die ersten Bissen gegessen haben und die Sättigung einsetzt. Wir bringen die Kinder ins Bett, räumen die Küche halbwegs auf (warten noch auf die Spülmaschine, die noch läuft), dann kollabieren wir auf der Couch. Die Tochter gestellt sich noch zu uns und lässt sich was erklären, der Mann und ich koordinieren Termine und besprechen Details. Nebenbei knistert das Feuer im Ofen und macht mir das Badewasser warm. Ich bin müde, verspannt und dünnervig. Ich möchte unbedingt noch in die Badewanne.

Das Foto hat die Tochter heut nach ihrer Reitstunde mit meinem Smartphone gemacht.

8 Gedanken zu „Montag :: Reiten

  1. oh ich erinnere mich! als die schwestern noch klein war und die große reiten ging, die zeit zu überbrücken und die verschiedenen bedürfnisse auf dem hof zu koordinieren waren, manchmal bei schlechtem wetter… *ächz*. da bleibt für eine selbst nix übrig.
    wie toll, daß du den wolf schon alleine lässt (und er das schafft)!
    alles gute (nun ist der montag ja wieder für eine woche geschafft!)

  2. Ich musste so lachen beim Lesen!!! Der Sterngucker und meine Frida würden zusammen ein wahres Inferno auslösen ;-) Und der Montag ist bei uns auch Reittag…und wir stellen immer wieder fest dass es zu stressig für uns alle ist. Greta will meist nicht, obwohl es ihr Spaß macht aber sie will ihr Spiel nicht unterbrechen was ich auch verstehen kann…evtl. werden wir den Termin ganz känzeln. Gerade weil es auf dem Montag liegt finde ich es sehr anstrengend…!!! Grüße vom Rhein!

  3. Puh, ein voller Tag am (über’m?) Limit! Als du schriebst „Ich schaue die ganze Zeit, daß er die Wohnung nicht zerlegt oder die Zimmer seiner Geschwister verwüstet“ habe ich mich gefragt, ob die Geschwister-Zimmer für den Sterngucker nicht tabu sind? Also darf er rein oder setzt er sich (alterstypisch) über die Grenze hinweg?

  4. Einen Raum zum Essen in Stille wünsche ich mir auch. Die gemeinsamen Mahlzeiten sind für mich ziemlicher Horror inzwischen, weil sie mir meist nur Kraft rauben und nicht geben. Ich arbeite da noch an einer Lösung und ziehe in Betracht, allein in meinem Zimmer (Schallschutztür! yay!) zu essen.

    Was mich beim Lesen Deiner Alltagsbeschreibungen immer wundert, ist, daß Du es akzeptierst, dermaßen konsistent gestört zu werden. Also, mein Sohn ist jetzt 11 und der versucht das auch immer noch, aber ich praktiziere seit Jahren eine low-level-Aufmerksamkeit, wenn ich arbeite. „Ist es ein Notfall?“. Wenn nicht, dann auf Wiedersehen, ich arbeite. Klar, als er ganz klein war, habe ich das weniger stringent handhaben können, aber ich lege wert darauf, daß es respektiert wird, daß ich arbeite.

  5. Die Geschwisterzimmer und die Büros sind für den Sterngucker ohne Aufsicht tabu. Doch nicht immer denken wir dran, auch abzuschliessen. Natürlich nutzt er jede Gelegenheit, um unbemerkt im Haus herumzuforschen.

  6. Das war anfangs auch so, als der Wolf immer mit musste, wenn die Tochterreitstunde anstand. Eine zeitlang war er selbst auch reiten, aber eben genau dieses aus dem Spiel gerissen werden störte ihn sehr. Manchmal konnte ich ihn für die Bringzeit auch bei den Nachbarn lassen, wo er mit seinem Freund spielte. Jetzt verabredet er sich manchmal. Dann kann ich die Pferdetour mit der Abholtour kombinieren. Das ist mir immer die liebste Lösung.

  7. Ich glaube, du verstehst da etwas falsch. Ich werde nicht gestört. Der Sterngucker kann sich sehr gut selbst beschäftigen. Jedoch muss ich ihn im Auge behalten, da er auf die tollsten Ideen kommt, die mit unseren Erwachsenen-Vorstellungen von Ordnung, Sicherheit und Regeln nicht immer konform gehen. Das ist das Anstrengende an einem Arbeitstag. Sich nicht ausschliesslich auf die Arbeit konzentrieren können. Und der Geräuschpegel. Er hat eine sehr laute Stimme und gerade eine Explosion in der Sprachentwicklung, was dazu führt, daß er permament erzählt oder Geräusche macht. Er wird 3. Ich finde das vollkommen im Rahmen. Ja, es ist anstrengend, aber es verändert sich auch mit dem Alter. Phasenweise kann ich sehr gut in seiner Anwesenheit arbeiten. zB letzte Woche klappte das wunderbar, dann gibt es wieder Tage, wo ich nur schauen muss, daß er keinen Quatsch macht.

  8. Danke, Ramona, für die Info, die ich als Außenstehende brauchte, um das richtig einordnen zu können. Dein Umgang mit dem Sterngucker ist mir nah und es ist schön, diese Etappe trotz aller Strapazen so bewusst zu genießen, wie ich es bei dir wahrnehme!

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