Alte Briefe und Tagebücher – wohin damit?

Alte Briefe und Tagebücher – wohin damit?

Mein liebstes Hörbuch im vergangenen Jahr war „Ich habe auch gelebt“*, ein Briefwechsel über viele Jahre zwischen Astrid Lindgren und Louise Hartung. So gern ich den beiden gelauscht habe, mich in ihre Welt eingefühlt und mitgelebt habe, so komisch kam es mir doch vor, wenn ich genauer darüber nachdachte. Mit welchem Recht darf ich an so etwas intimen und persönlichen teilhaben? Und dann denke ich an all die Briefe, die ich schreibe. Die ich mit anderen Menschen teile und Einblick in meine Welt, mein Innenleben gebe. Persönlicher noch als im Blog.

Einmal kontaktierte mich ein fremder Mann aus Griechenland online. Er hatte Briefe von mir an meine damalige griechische Brieffreundin Dina gefunden. Er wollte wissen, ob es mich (noch) gibt. Das war zwar auf der einen Seite lustig, fühlte sich aber doch etwas komisch an. Sie hatte wohl meine Post aussortiert und entsorgt. Mache ich auch hin und wieder. Aufräumen, klar Schiff.

An diesem Punkt bin ich auch jetzt wieder. Und ich bin scheinbar nicht allein. Es stellt sich mir (uns) also die Frage: Wohin mit den alten Briefen, Tagebüchern und Einblicken ins Innenleben? Was schreibe ich alles auf und wozu überhaupt? Ist das Aufbewahren Festhalten an etwas Altem oder Bewahren von Geschichte, Kultur und Familienverständnis? Ist es nützlich oder überflüssig?

Tagebücher

Als Kind fand ich es spannend, alte Briefe meiner Eltern und Großeltern zu finden und darin zu schmökern. Sogar durch alte Schulhefte meines Vaters blätterte ich gern, bewunderte Schrift, Stil und Ordnung. Was will ich, das meine Kinder mal finden? Wie ergänzen meine Aufzeichnungen das Bild, was sie jetzt als Kind von mir haben? Wie trägt das zum Verständnis der eigenen Herkunft und Aufarbeitung der Kindheit bei?

Ich habe die Mehrzahl meiner Tagebücher aus meiner Kindheit und Jugend entsorgt. Eins hat meine Mutti gerettet, worüber ich nachträglich sehr froh bin. An mein 13jähriges Ich habe ich nämlich nur noch verschwommene Erinnerungen. Ein anderes Tagebuch beinhaltet fragmentarische Einträge über Jahre hinweg.

Jetzt steht hier also eine volle Box mit alten Mahabüchern, Notizen, Skizzenbüchern und Tagebüchern. Briefe habe ich fast alle bereits aussortiert und nur einige wenige der vergangenen Jahre aufgehoben. Dazu kommt eine weitere Kiste mit kalligrafierten Briefumschlägen, die ich so schön finde, dass ich sie nicht wegwerfen möchte.

Was tun damit? Wie geht es dir mit alten Aufzeichnungen, Tagebüchern, Briefen u.s.w.? Hebst du sie auf oder entsorgst du sie? Nach welchen Kriterien beurteilst du das Aufheben und Wegwerfen? Welche Rolle spielen heute noch Briefe? (Diese Frage kam mir bei dem Gedanken an die Tagebucheinträge und Aufzeichnungen von Dichtern und Denkern, die heute veröffentlich werden. Wo man froh ist, solche Fragmente ihres Lebens noch zu finden oder gefunden zu haben.)

Ich schaue meine Aufzeichnungen von Zeit zu Zeit durch. Kalender und Alltagsnotizen entsorge ich, Skizzenbücher bleiben (sie sind ja meistens eine Kombination aus Tagebuch und Zeichnung). Möglicherweise entsorge ich auch mein Some lines a day* Notizen. Es wird am Ende niemanden interessieren, was ich 5 Jahre in Folge am 3.Mai gemacht habe. Und für mich selbst ist es zwar eine nette Erinnerung, aber auch ein Festhalten an der Vergangenheit. Oder ich verändere die Art, es zu nutzen, darin zu schreiben.

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5 Gedanken zu „Alte Briefe und Tagebücher – wohin damit?

  1. ich kann geschriebenes nicht weg werfen ;)
    das gilt für Briefe ebenso wie für Bücher
    ich habe alles noch
    gerade letztens hatte ich noch welche in der Hand von 1960 ungefähr
    und oft frage ich mich was aus diesem oder jenem wohl geworden ist
    man schreibt sich ja nicht mehr so viel und nicht alle Kartengrüße hebe ich auf
    Briefe aber ja
    jemand hat an mich gedacht ..sich Mühe gemacht und mir geschrieben.. dass kann ich nicht missachten
    auch meine Tagesaufzeichnungen existieren noch
    vielleich werf ich die ja doch eines Tages weg ;)

    liebe Grüße
    Rosi

  2. Bei uns in der Familie hat jeder eine Erinnerungskiste. Gefüllt werden darf die mit dem, was man als aufhebenswert empfindet. In meiner sind alle meine Tagebücher und Kalender. Ich miste zwar derzeit sehr viel aus, aber Tagebücher und Kalender dürfen bleiben. Ein Karton mit Briefen ist auch noch da. Vielleicht bin ich eines Tages bereit, das alles wegzuwerfen. Wer weiß.
    LG von TAC

  3. Ich hebe Familienbriefe und manche Freundesbriefe, Erinnerungsschnipsel von Lieben, Konzertkarten und bestimmte Folder auf, das kommt in meine Erinnerungskiste, die ich von Zeit zu Zeit durchsehe und auch aussortiere. Ich wünsche mir mit der Kiste einen Art Lebensquerschnitt zu schaffen, den ich dann als 80-jährige schmunzelnd lesen kann.

  4. Ich hebe alle meine Tagebücher auf. Allerdings möchte ich bei vielen nicht, dass sie von anderen gelesen werden – sie liegen in einem „nicht öffnen“ Karton. Was damit mal wird weiß ich nicht, irgendwann werde ich sie vielleicht lesen und aufarbeiten. Dann habe ich Tagebücher für jedes Kind mit lauter Meilensteinen und Anekdoten – da werden wir vielleicht später mal gemeinsam in Erinnerungen schwelgen. Und dann gibt es einen großen Karton mit Karten, da sortiere ich gelegentlich aus. Geschriebenes wegwerfen fällt mir schwer.
    Liebe Grüße
    Sternie

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