Hoffnung und Zuversicht :: Woraus ich mein Vertrauen schöpfe

Hoffnung und Zuversicht :: Woraus ich mein Vertrauen schöpfe

beacon of light 1

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beacon of light 2

Neulich fragte ich nach Fragen, Anregungen und Ideen für Blogposts (nicht, daß ich selbst nicht genug hätte, aber manchmal finde ich andere Impulse sehr inspirierend). Andrea ergriff die Gelegenheit und stellte eine sehr interessante Frage, die mich den ganzen Tag ins Grübeln brachte.

hallo liebe ramona,
ich habe ein für mich grosses thema, wo ich sehr an deiner meinung interessiert bin. woher bekommst du kraft, vertrauen und hoffnung angesichts der entwicklungen in der welt, dass deine kinder, die du mit soviel liebe & achtsamkeit erziehst, noch ein glückliches leben führen werden können? wie hälst du dich emotional gesund, wie bewahrst du deine zuversicht, woran glaubst du? darüber würde ich gern mehr erfahren. liebe grüße und danke, andrea

So auf Anhieb fiel mir darauf nur ein Schulterzucken ein. Ja wie?

In erster Linie schliesse ich meine Augen. Das heisst, ich meide Nachrichten um das Weltgeschehen. Ich schaue kein Fernsehen, lese keine Zeitung und Nachrichtenportale. Das habe ich schon seit meiner Kindheit so gemacht, weil mich Nachrichten schon immer aufgewühlt und beunruhigt haben, ich danach nicht schlafen kann, mir Sorgen mache und nur Angst habe. Ich kann die Hilflosigkeit nicht ertragen und finde keinen Umgang damit. Deshalb habe ich für mich den Weg gewählt, wohl zu sortieren, was ich in mich reinlasse. Das heisst, genau, wie ich beim Essen darauf achte, was in meinen Körper kommt, achte ich auch bei äußeren Reizen und Informationen darauf, was ich aufnehme. Das heisst nicht, daß ich desinteressiert bin. Ich informiere mich durchaus hier und da über die Geschehnisse in der Welt. Politische Diskussionen kannst du mit mir aber nicht führen, da mir oft die großen Zusammenhänge fehlen und ich im Detail keine Stellung beziehe. Ich erlaube mir, zu manchen Themen keine Meinung zu haben.

Bei mir bleiben
Ich versuche, bei mir zu bleiben und mich immer wieder zu reflektieren. Wenn ich mein eigenes Leben schon nicht in Griff bekomme, wie kann ich dann die Welt retten. Mein Beitrag zur Weltrettung besteht im bei-mir-bleiben und Vorbild sein. Ich verurteile nicht, lästere nicht und versuche niemanden von meiner Meinung zu überzeugen. Das war und ist ein Lernprozess mit Fort- und Rückschritten.

Im Moment sein
Ich mache mir keine Sorgen um die Zukunft. Nicht um meine, nicht um die meiner Kinder. Ich versuche, im Jetzt zu leben. Im Moment zu sein. Ich weiss nicht, was in 2 oder 10 Jahren auf uns zu kommt. Ich verschwende meine Energie nicht, mir Gedanken darüber zu machen, wie es sein könnte. Ich löse Probleme dann, wenn sie da sind, nicht schon vorher, wenn sie nur ein Gedanke sind. Wenn ich irgendwo sinnvoll helfen kann, sei es durch Spenden, Arbeitskraft oder Unterstützung, dann tue ich, was in meiner Macht steht.

Dankbarkeit
Ich bin jeden Tag dankbar, wie gut es uns geht. Und demütig, daß es so ist. Es ist mir bewusst, daß ich große Privilegien geniesse, daß es Menschen gibt, die all das nicht haben.

Den Blick ändern
Manchmal, wenn mir eine Sorge all zu groß erscheint, dann versuche ich meinen Blick zu ändern und es aus der Perspektive des Großen und Ganzen zu sehen. Dann erscheint mir meine/unsere Existenz so unbedeutend klein, daß die Sorgen eine andere Relation bekommen. Und dann hilft mir das, einen Umgang und Weg damit zu finden. Zurückschauen, um mich schauen und immer wieder bei mir bleiben. Es gibt Menschen, die wählen einen anderen Weg. Die sind politisch aktiv, halten Reden, informieren, klären auf. Das ist gut so. Das ist deren Weg und genau so richtig, wie jener, den ich entschieden habe zu gehen.

Loslassen
Letztendlich ist meine größte Aufgabe, Loszulassen. Erwartungen an andere Menschen, an mich selbst, an Situationen. Vertrauen darauf, daß alles einen Sinn hat und Wege sich finden. Vertrauen, daß die Kinder ihren Weg gehen und am Ende alles gut wird.

Ich finde das sehr schwer auszudrücken, was ich sagen will, ohne daß ich desinteressiert und gleichgültig rüberkomme.

Trust the Journey – Vertraue der Reise
Das Bild ist im Lifebook 2015 Workshop entstanden. Es war die Aufgabe der ersten Woche. Anhand einer Anleitung konnte jede_r sich eine „Beacon of Light“, eine kraftgebende Fantasielichtgestalt, die das Göttliche – wie auch immer jede_r das interpretiert – malen. Das hat mir echt viel Spaß gemacht. Ich finde, sie passt gut zu dem Beitrag.

11 Gedanken zu „Hoffnung und Zuversicht :: Woraus ich mein Vertrauen schöpfe

  1. sich keine sorgen über probleme machen, die noch gar nicht aufgetreten sind, halte ich für überaus wichtig und ich bin mehr als dankbar dafür, dass ich diese fähigkeit besitze. ob ich ähnlich pragmatisch wäre, wenn ich nicht seit 10 jahren diesen job mache? interessante frage.
    und für mich mehr als sympathisch: einfach auch mal keine meinung haben. so! ja, das darf man.
    interessante einblicke…
    liebe grüße,
    sandra

  2. liebe ramona, ich danke dir. dafür, dass du meine frage und damit mich ernst genommen hast und für das was du geschrieben hast. es hat mich an einen spruch erinnert, der mich seit jahren begleitet und den ich sehr schätze: die antwort bist du selbst ( h.hesse)

  3. Liebe Ramona ,

    Ich kann jeden deiner Punkte verstehen und sehe es wirklich eigentlich genauso.
    Nur ist bei mit ein grosser Punkt die Umsetzung.
    Vieles schaffe ich (noch) nicht so….
    Schön das mal in so komprimierter Form zu lesen!
    ( das mit den Nachrichten geht mir ganz genauso , mein Opa hat früher im Auto die Nachrichten immer so laut gedreht und ich habe mir die ganze Fahrt die Ohren zugehalten weil ich so Angst hatte und das ist bis heute in abgeschwächter Form natürlich, geblieben).

  4. Jetzt ist mir die “Beacon of light“ ja schon ein paar mal begegnet und ich bin beeindruckt, wie unterschiedlich und individuell die Bilder gestaltet wurden. Das Augen schließen ist nicht so meine Sache, aber ich fühle mich auch nicht so belastet vom Weltgeschehen. Die anderen Punkte kann ich aber voll und ganz unterschreiben – auch wenn es je nach momentanem Befinden manchmal schwierige Übungen sind.
    LG, Micha

  5. Liebe Ramona;

    vielen Dank für Deine Gedanken! Beruhigend das es auch andere Menschen so mit den Nachrichten halten.
    Eine andere Frage: Magst Du nicht Deine wunderschöne Sonne als Postkarte rausbringen? Ich bestell sofort einen Schwung! Sie ist so voller Wärme und Zuversicht. :)
    Alles Liebe
    Meike

  6. Hallo Ramona,

    ich lese schon sehr lange still Deinen Blog. Ich bewundere immer wieder wie ehrlich Du mit Dir umgehst. Und nehme es auch immer wieder als Vorbild für mich – wenn m. E. auch mit weniger Erfolg, was Kommunikation und Organisation angeht.
    Jetzt sitze ich schon seit mind. 10 min vor Deinem wunder-, wunderschönen Sonnenmädchen und kann mich gar nicht sattsehen. Das Gesicht ist – so rund, stimmig, knuddelig – einfach zum liebhaben. Ich LIEBE solche Collagen, mit so vielen liebenvollen Details. Hach mir fehlen einfach die Worte, die meine GANZE Begeisterung ausdrücken, ohne dass es übertrieben klingt.
    Deshalb meine absolute Hochachtung für Dein Talent und Deine Liebe zu Deiner Arbeit.

    PS: Ich teile Deine Einstellung zur Weltpolitik. Ich glaube, wenn man Kinder hat, dann darf man einfach nur die absehbare Zukunft sehen. Andernfalls: wieviele Kinder gäbe es sonst noch?

    Liebe Grüße
    Sabine

    Ich kuck jetzt einfach weiter dieses wunderschöne Bild an… ;D

  7. Danke! Das ist eine Anregung, mich wieder mehr aufs Innen als aufs Außen zu konzentrieren. Mir geht es auch viel besser ohne tägliches Zeitunglesen, aber ich traue mich das nicht für längere Zeit aus Angst, etwas zu verpassen oder von anderen nicht für voll genommen zu werden, weil ich keine Ahnung habe, was tagtäglich in der Welt vor sich geht. Doch eigentlich reicht mir meine innere Welt vollkommen. Ich werde das mal wieder ausprobieren.

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