ich

Honigmond

Ich war gerade dabei, die frisch angekommenen Karten in den Shop einzupflegen, als mein Blick zufällig zum Küchenfenster hinaus fiel. Dort strahlte mich ein dicker, runder, orangeroter Ball hinter dürren, novembernackten Ästen an. Der Mond. Und was für einer. Riesig und glühend erhob er sich am Horizont. Ich ließ alles stehen und liegen, schnappte mir dir Kamera und zog meine Schuhe an. Da klingelte das Telefon. Dran war die Tochter, die auf einen Spaziergang gegangen war: „Mum, du musst unbedingt rausgehen. Schau dir den Mond an. Voll schön!“

Genau das hatte ich gerade vor. Ich eilte zu der Stelle, wo ich ihn am schönsten fotografieren konnte. Hatte extra die große digitale Spiegelreflex-Kamera eingepackt. Doch sie versagte. Der Mond liess sich nicht aufs Bild bannen. Also ging ich einfach eine Runde spazieren. Schaute mir das imposante Naturspiel vom Rodelberg aus an. Die Nebel, die aus der Senke aufstiegen. Der Mond, der immer höher zum Himmel stieg. Die zunehmende Dunkelheit. Ich hielt inne und war froh, dass die Kamera nicht funktionierte. Mir fiel ein Gespräch mit der Tochter ein. Ob wir die Dinge für uns machen oder für andere. Gerade, wenn wir viele Fotos und Gedanken in sozialen Netzwerken teilen.

So genoss ich den Moment. Ganz für mich und in meinem Innen. Ich spürte die Mondmagie und den Abendzauber. So viel Schönheit. So viel Verbundenheit.

Ich traf die Tochter, die vom Wald kam, zog meine Schuhe aus und ging barfuss mit ihr zurück nach Hause. Das war unser kleiner Mondmoment zum Abschluss unserer Männerfreien Woche.

Novemberleuchten.

 

8 Kommentare

  • frau siebensachen

    eigentlich toll, daß die kamera versagte! so oft ist es gar nicht nötig fotos zu machen (auch wenn schöne fotos eine feine sache sind). in meiner 1. muki-kur sagte mal eine frau vom kurhaus, als eine speicherkarte der kamera voll war: „ach egal, kommt auf die große speicherkarte,“ und tippte sich an den kopf.
    liebe grüße!

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