Vom Annehmen und Kontrollieren wollen

Vom Annehmen und Kontrollieren wollen

Mich treibt immer wieder das Thema Kontrolle um. In mir drin wohnt nämlich ein kleiner Kontroletti. Manchmal gelingt es mir, den zu enttarnen, manchmal fühlt er sich ganz nützlich und meint, an allen möglichen und unmöglichen Stellen meines Lebens eingreifen zu wollen. Oftmals so unterschwellig und geschickt, dass ich ihn erst über Umwege ertappe. Oder gar nicht. Der Kontroletti hat auch gute Seiten. Er hilft mir, den Überblick zu behalten und Dinge zuverlässig zu erledigen. Es gibt aber auch Situationen, da steht er mir im Weg.

Durch meinen Mittwoch-abendlichen Sensory Awareness Kurs und das Seelenzentrierte Coaching mit Jana bin ich aufmerksam geworden, wie oft ich Situationen kontrollieren möchte. Wie oft ich Vorstellungen davon habe, wie etwas zu sein hat oder wie ich sein will. Meine Schmerzen im Arm: will ich weghaben. Also suche ich so lange den Knopf, bis sie weg sind. Wegmachen. Einen Idealzustand erreichen.
Ein anderer Weg wäre, anzunehmen, was ist. Das funktioniert viel besser, ist aber auch viel schwerer. Vorallem, wenn man einen Kontroletti mitwohnen hat.

Ich mache gern Spaziergänge. In den letzten Monaten sind sie mir zum Anker geworden. Ich habe mir angewöhnt, meine Fragen laut zu sprechen und zu horchen, was für Antworten kommen. Meine Art zu beten. Und da kommen die interessantesten Einsichten. Die meisten nicht neu, aber immer wieder spannend, wie die Themen miteinander verwoben sind. So bin ich bei meinem heutigen Spaziergang wieder auf meinen Kontrolletti gekommen. Wie es in meinem Leben Bereiche gibt, die ich – genau wie die Schmerzen – weghaben will. Und dann wie wild versuche, die Knöpfe zu finden, den Zustand zu erreichen, den ich haben will. Damit verliere ich aber den Kontakt zu mir selber. Damit verliere ich mich im Tun und entferne mich vom Sein. Und um das Sein geht es doch eigentlich, oder?

In dem Buch, was ich gerade lese, geht es in einem der Kapitel auch um das Tun – Haben – Sein unserer heutigen Gesellschaft und wie es gelingen kann, die Reihenfolge umzugekehren.

„Sein. Haben. Tun. Das ist der langsame, weiche Rhythmus, für den wir geschaffen wurden.“ Veronika Smoor

Nun spüre ich hin: Wie kann ich das Tun loslassen, das immer geschäftig sein wollen, um Anerkennung zu erhalten und geliebt zu werden (denn letztendlich kommt es immer wieder darauf zurück, so trickreich sich es auch versteckt)? Wie kann ich annehmen und mit dem gehen, was ist? Eine interessante Spur, die sich da aufgetan hat. Heute beim Spaziergang im Schnee.

5 Gedanken zu „Vom Annehmen und Kontrollieren wollen

  1. Total interessant!
    Das, was ich hier auf dem Blog von Dir sehe, liest sich für mich immer schon so, als ob Du das Annehmen ziemlich gut beherrschen würdest. Da habe ich mir schon oft ein Beispiel dran genommen!
    Ich persönlich suche noch die Balance, sodass ich das Annehmen von Dingen, die ich tatsächlich nicht beeinflussen kann, nicht verwechsle mit Resignation gegenüber Zuständen, die ich beeinflussen könnte, wenn es mir ausreichend wichtig wäre. Kompromisse eingehen, aber nicht so, dass ich mich in Kompromissen verliere …

  2. Oh ja, das fällt mir auch unheimlich schwer! So gerne würde ich alles kontrollieren und bestimmen, wie es weiter geht. Da ein Stück weit loszulassen und anzunehmen… Im tiefsten Innern weiß ich, dass es besser wäre. Liebe Grüße und alles Gute für die weiteren Schritte, Micha

  3. ich hab auch einen controlleti in mir ;-) und ich glaube, er wurde geboren in all den stunden kindlicher ohnmacht, die so unglaublich schmerzhaft waren oder sich gar lebensbedrohlich anfühlten. das war gar nichts böse gewolltes, sondern zum beispiel nur typisches alle 4 stunden füttern, das baby schreien lassen usw…so normal damals und doch so unglaublich unmenschlich (und unlebendig). ..und dann sind wir den rest unseres lebens fast pausenlos damit beschäftigt, möglichst alles unter kontrolle zu halten, damit diese ohnmachts-körper-gefühle möglichst nie wieder auftauchen bzw. einigermassen händelbar sind- soweit meine derzeitiges empfinden zum thema….(hab viel hilfreiches dazu gefunden in diesem buch hier: https://www.buch7.de/store/product_details/1031403451 )

    liebe ramona, alles gute für das neue jahr! so schön, dass du schreibst :-)

  4. Unfassbar, wie sehr ich deine Einträge genieße zu lesen. Besonders dieser hier passt zu meinem heutigen Tag… Mein Kontrolletti hat mich ebenfalls gut im Griff.
    Ich danke dir sehr für deine Einträge hier und hoffe, du schreibst lange weiter. Du inspirierst mich sehr!!

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