_Ostern

Zweites Aprilwochenende – Ostern

Ah, unser Osterwochenende war am Ende doch sehr schön. Wie der Sterngucker abends im Bett meinte: der Tag wurde immer besser. Am Karfreitag war ich noch etwas unausgeglichen. Ich war müde, ruhelos und empfand den Sterngucker als sehr fordernd. Am liebsten hätte ich in Ruhe vor mich hingegruschelt und meine Ruhe gehabt. Stattdessen habe ich Papierkram ausgemistet, ein Brot gebacken und mit dem Sterngucker, der unbedingt ein eigenes Beet wollte, einen großen Blumentopf als Minigarten eingerichtet. Wir haben dort einige meiner kleinen Kohlrabipflänzchen und Basilikum eingepflanzt, Blumen, Radieserl und Karotten gesät. Jetzt müssen die Pflanzen noch seine großzügigen Gießattacken überleben. Der Wolf hat wieder einen Bienenstich gebacken. Ich habe mir eine Mittagsschlaf mit Hörbuch und einen Spaziergang gegönnt.

Samstag

Am Samstag habe ich die letzte Email für meinen Herzenswege-Fastenzeitkurs vorbereitet und dafür ein Mandala für die KursteilnehmerInnen gestaltet. Die Idee hatte ich schon die ganze Zeit über im Kopf. Das hat mich den ganzen Vormittag beschäftigt. Am Morgen kam auch unsere Gemüsekiste und ein großes Bücherpaket von meiner Freundin mit (Vor)leselektüre für die nächsten Wochen.

Am Nachmittag war ich endlich wieder Laufen. Ich hatte ein paar Tage Pause. Zum Laufen hatte ich das Hörbuch „Laufen“ von Isabel Bogdan, eine Empfehlung einer Leserin. Im Wald ist schönes Licht. Der Sauerklee blüht seine zarten Blüten. Das erinenrt mich immer an Hamburg, wo ich eine zeitlang viele Wildkräuter kennengelernt, gesammelt und gegessen habe. Ab und zu nasche ich noch Giersch oder Brennnesseln, aber so richtig Wildkräuter habe ich schon lange nicht mehr gegessen. Dabei ist jetzt die beste Zeit dafür.

Am Abend backt die Tochter einen Hefezopf und Rosinenbrötchen für unser Osterfrühstück. Ich bereite die Osternester vor und decke am Abend schon den Frühstückstisch.

Ostersonntag

Der Sterngucker ist aufgeregt. Wir decken gemeinsam den Frühstückstisch fertig, wollen aber noch warten bis alle wach sind. Der Sterngucker spielt also noch eine Weile in seinem Zimmer. Ich nutze die Ruhe, um mir einen Gottesdienst anzuschauen. Mich fasziniert, wie trotz social distancing über das Internet zusammen Lobpreismusik gemacht werden kann: da sehe ich die SängerInnen und MusikerInnen in ihren Zimmern mit Instrument und am Ende wird das gemischt. Das ist schon sehr cool, wenn es auch nicht das Erlebnis ersetzt, live dabeizusein. So richtig will mich der Gottesdienst aber nich erreichen. Ich lese den ersten Impuls im Buch „Die Osterfreuden auskosten“ von Anselm Grün. In mir wohnt eine seltsame Melancholie, eine Traurigkeit, die ich über den ganzen Tag in mir herumtrage.

Nach dem gemeinsamen Osterfrühstück – uns geht es wirklich gut! – gammeln wir richtig ausgiebig rum. Immer mal wieder naschen wir von den Sachen, die wir auf dem Tisch stehen lassen haben. Dann wollen die Kinder gern ihre Osternester suchen. Nein, der Sterngucker hält es nicht aus. Er möchte seine Sachen ohne suchen haben. Ich gebe ihm das Schokoei, was er schon entdeckt hatte und sage ihm, dass er ja später entscheiden kann, ob er doch suchen möchte. Und klar, als die Geschwister suchen, möchte er doch auch mitsuchen. Also verstecke ich auch seine Sachen und er ist begeistert mit dabei. Das Suchen macht den Kindern so viel Spaß, dass sie sich gegenseitig ihre bereits gefundenen Sachen immer wieder verstecken. Die liebe Nachbarin hat auch kleine Nester für die Kinder gemacht. Die versteckt die Tochter. So gibt es immer wieder Finderglück und Osterfreude.

Der Mann backt einen Schokokuchen. Ich versuche ein bisschen zu lesen, finde aber keine Ruhe. Also gammeln wir noch mehr rum. Die Tochter macht mit dem Wolf eine kleine Radltour, der Sterngucker schaut einen Film, ich unterhalte mich mit dem Mann.Wir reden über meine Sehnsucht nach einer Gemeinschaft und wie ich mir eine Gemeinschaft vorstelle. Über Toleranz und Miteinander, über Spiritualität und Glaube. Wir sinnieren über die Kinder und über Möglichkeiten einer Handypause für uns selbst (und was das alles nach sich zieht, wie sehr schon die Geräte in unseren Alltag eingezogen sind), wir reden über Sonnenhüte, Musiker und Autorinnen. Ich mag das sehr, diese ungestörten Gespräche mit meinem Lebensmann.

Am Abend möchte ich gern ein Osterfeuer haben. Die Tochter bereitet einen Stockbrot Teig aus unserem letzten halben Stück Hefe vor. So gibt es zum Abendessen Rohkostknabberein und Stockbrot.

Nach dem Essen spielen der Mann und ich eine Runde Wikingerschach. Deer Sterngucker spült derweil ab und putzt die Küche (ohne, dass er das sollte). Nach der Gartengiessrunde (die Vergissmeinnicht blühen! Die Karotten spitzen aus dem Boden! Bei den Erbsen tut sich auch schon was! Hach, dieses Warten…) schauen wir eine Sendung mit der Maus, dann bringen wir den müden Sterngucker ins Bett. Der Mann schaut mit dem Wolf noch einen Film, ich schreibe noch ein bisschen und gehe dann auch ins Bett. Der Sterngucker hatte recht: der Tag wurde immer besser.

 


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