Geburtsbericht Teil 1

Geburtsbericht Teil 1

Heute ist der Sterngucker schon 3 Wochen bei uns. Und die Geburt schon wieder so weit weg. Und trotzdem auch noch so präsent. Eigentlich wäre heute der errechnete Geburtstermin gewesen. Und das möchte ich zum Anlass nehmen, endlich mal den Geburtsbericht aufzuschreiben. Sonst wird das nie was. Wie auch bei den anderen beiden Kindern schon.
Letztes Wochenende hatte ich ein wenig emotionale Nachwirkungen. Plötzlich tauchten Fragen nach dem Warum und Was-Wäre-Gewesen-Wenn auf. Aber die Hebamme hat mir gut zugehört, mich bestärkt und mir aus meinem Tief geholfen.

Hier also nun, aus meiner Sicht, die Geburt des Sternguckers. Ein bisschen durftet ihr ja schon mitlesen, wie alles begann.

Zu Hause
Mittwoch, den 11.4. begann das fröhliche Wehen. Ich sass nur auf der Couch, konnte mich grad so auf Toilette schleppen und war sehr unpässlich. Wir dachten an Senkwehen. Donnerstag ging es etwas besser, aber ich war trotzdem noch schwach und wehengeplagt. Wir buchten Mamas Fahrkarte um auf Samstag. Den Freitag verbrachte ich wehend im Bett. Die Hebamme war da, um festzustellen, daß ich mitten unter der Geburt bin. Sie rechnete damit, daß das Baby in der Nacht schlüpft. Aber das Baby blieb drin. Am Samstag nachmittag kam meine Mama. Ich war sehr froh, sie zu sehen. Und sie froh, daß sie es rechtzeitig geschafft hat. In der Nacht von Samstag auf Sonntag veränderten sich die Wehen. Gegen 4 ging ich in die Badewanne und rief dann die Hebamme an, welche 4:30 Uhr auch bei uns war. Der Muttermund war 6 cm offen. Die Hebamme meinte „normalerweise würde das Baby innerhalb der nächsten 2 h geboren werden“. Da sie mich aber schon die vergangenen Tage herumwehen sah und kaum was passierte, blieb sie bei dem „normalerweise“. Sie setzte sich ins Wohnzimmer, arbeitete an ihren Unterlagen und liess mich (im Beisein des Mannes) herumwehen. Die Wehen waren erträglich, aber ich spürte auch, daß sie eigentlich zu schwach waren. Ich wollte sie nicht stärker, aber irgendwie auch doch. Ich war schon sehr erschöpft. Hatte ich doch schon seit Mittwoch damit rumgemacht und wenig gegessen und nur gelegen. Gegen morgen untersuchte die Hebamme noch einmal und es gab kein Voranschreiten. Ich war schon sehr erschöpft. Ausserdem konnte sie die genaue Kindslage/die Fontanelle nicht ertasten. Wir beratschlagten, was wir tun sollen und entschieden uns gemeinsam dafür, in die Klinik zu fahren und unter PDA (weil ich schon so erschöpft war und keine stärkeren Wehen mehr ertragen würde) dort entweder die Fruchtblase öffnen oder einen Wehentropf einzusetzen. Also frühstückte der Mann, dann packten wir die Sachen und fuhren zur Klinik. Unterwegs war ich für die Wehenschwäche dankbar, so musste ich nur ca 3 Wehen auf dem Autositz kniehend veratmen.

In der Klinik
Im Geburtszimmer angekommen, kümmerte sich die nette Hebamme um mich, die zufällig meine Hebamme noch von früheren Zeiten kannte. 20 Jahre nicht gesehen, hatten die beiden gut was zu ratschen. Das war mir lieb, so hatte ich meien Hebamme noch eine Weile dabei. Der Muttermund hatte sich während der Fahrt auf 8 cm geöffnet. Meine Hebamme verliess mich mit den Worten: „Ich geh dann mal, bevor ich hier noch die perfekte Hausgeburt erlebe“. Aber so kam es dann doch nicht, denn trotz Wehen tat sich nichts. Bei einer der Untersuchungen platzte die Fruchtblase. Ich erinnere mich noch, daß die Hebamme sich entschuldigte, nun meine Socken versaut zu haben (das Fruchtwasser lief über die Socken, da ich im Bett irgendwie kniete). Der Mann scherzte, daß sie mir neue stricken soll. „Kein problem“ antwortete die schlagfertige Hebamme, die wohl auch des Sockenstrickens mächtig ist (sehr sympatisch). Auch die Wehen, die auf die geöffnete Fruchtblase folgten, waren nicht stark genug, um die Geburt voranzutreiben, sodass die Gynäkologin einen Ultraschall machte, um die Kindslage festzustellen. Die Springforelle war ein Sterngucker (das Baby liegt in der hinteren Hinterhauptslage: Der Kopf unten, das Gesicht zum Bauch und nicht zum Rücken der Mama). Mit diesem Wissen gab mir die Hebamme genaue Anweisungen, wie ich mich positionieren soll, damit sich das Baby trotzdem noch gut aus dem Geburtskanal drehen kann. Ich bekam eine Infusion aus Mineralstoffen & ein Schmerzmittel. Und gleichzeitig wurden die Wehen mittels eines Nasensprays verstärkt. Mir wurde vom Schmerzmittel ganz schwummrig vor den Augen, das Wehenmittel hat meine Beine zittern lassen. So ging das noch eine Weile weiter. Der Muttermund war dann schon bei 9 cm offen und weich. Kein Problem also für eine Geburt. Dann bekam ich einen Katheder, weil wir dachten, daß die volle Blase eventuell im Weg ist. Auch das war nicht der Fall. Ich hatte ab und zu das Gefühl pressen zu müssen, aber es waren keine Presswehen. Ich merkte, daß sich nichts tat. Ich wurde mit Globuli unterstützt. Das Baby blieb wo es war.

sterngucker_geburt3

Nun entschieden wir uns doch für die PDA, weil wir stärkere Wehen brauchten, als das Nasenspray machen konnte. Bestimmt fehlen hier irgendwelche Informationen, denn ich war während der ganzen Zeit natürlich, wie eben unter der Geburt, in einem anderne Zeit- und Raum-Kontinuum. Ich wurde aufgeklärt über Risiken und Nebenwirkungen von PDA’s, unterschrieb und hatte schon den schnuckeligen Anästhesisten im Rücken. Ich bekam schicke Thrombosstrümpfe an, wurde vereist und betäubt und die PDA gesetzt. Der Mann rutschte derweil beinahe zusammen. Konnte sich grad noch so in den umstehenden Stuhl retten. Dann begann die PDA zu wirken. Und man gab mir den Wehentropf. Von den Wehen spürte ich nur das Zittern meiner Beine und sah deren Stärke auf dem CTG (oder der Mann berichtete es mir). Nach einer Weile starker Wehen unter PDA tat sich immer noch nichts. Die Ärztin und Hebamme untersuchten noch einmal per Ultraschall die Lage des Babies und die Gebärmutter. Es stellte sich heraus, daß meine Gebärmutter (wahrscheinlich schon ein müder Muskel wegen der vielen Tage Wehenarbeit) zwar kontrahierte, aber nur oben, nicht aber in der Mitte, sodass das Baby so keinesfalls herausgeschoben werden konnte. Wir dachten über einen Kaiserschnitt nach.Die Ärztin klärte uns auf, brachte die Unterlagen zum unterschreiben mit und es fühlte sich richtig an, diesen Schritt zu gehen. Noch während wir entschieden, waren die Herztöne des Babies nicht mehr im grünen Bereich und das Team hätte eh zu einem Kaiserschnitt geraten. Jetzt musste alles zügig gehen, sodass sogar keine Zeit mehr war, mir die PDA wieder aufzuspritzen, sondern ich wurde in den OP gefahren und bekam eine Spinalanästhesie (die schneller wirkt als eine aufgespritze PDA).

(es kann sein, daß einige Details fehlen bzw sich meiner Wahrnehmung entzogen)

Teil 2 folgt

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