Mein Ausflug ins Gebetshaus

Mein Ausflug ins Gebetshaus

Letzten Montag also habe ich eine Freundin bei Moosburg besucht und bin dann, nach einem gemütlichen Schwatz, Essen und Gedankenaustausch aufgeregt ins Gebetshaus nach Augsburg gefahren. Das Gebetshaus kenne ich von der SCHØN-Konferenz, wo ich Anfang des Jahres war. Aufgeregt war ich, weil ich noch nie da war und nicht wusste, was mich erwartet. Ich hatte mich zwar auf der Website und Instagram informiert, konnte mir jedoch nicht annähernd vorstellen, wie es da sein würde. Das muss man ja auch nicht immer wissen. Nun bin ich aber auch ohne Plan dahin gefahren. Ohne Ankerpunkt oder Aufgabe.

Geh ins Gebetshaus

Aber wieso bin ich überhaupt hingefahren? Das ist schon ein bisschen verrückt. Denn eines nachmittags im Oktober war ich auf einem Spaziergang und bei meinem Sitzplatz in der Natur. Das ist ein Platz, wo ich weit schauen und die Landschaft beobachten kann. Wo ich die Greifvögel kreisen sehe und die Krähen krächzen. Wo der Specht mir antwortet und von wo aus der Himmel jeden Tag anders aussieht. Dort sitze ich oder stehe, dort bete ich und stelle meine Fragen, die mich beschäftigen. Mehr zur Reflektion und als lautes Denken denn in der Annahme, wirklich Antworten zu bekommen.

An jenem Tag war es jedoch so, dass tatsächlich eine Antwort kam. Und die war „Geh ins Gebetshaus“. Nun war die Frage nicht so, dass diese Antwort einen Sinn ergeben hätte. Aber es war ganz klar eine Antwort. Das wusste ich in dem Moment. Ich erinnerte mich an Corrie ten Boom, von der ich in ihrem Buch „Mit Gott durch dick und dünn„* sehr faszinierende Sachen lese. Sie erhielt all ihre Aufgaben und nächsten Reiseziele im Gebet und im Austausch mit Gott und Jesus.

Ich beschloss also, dem Ruf zu folgen und bat um eine bestimmte Geldsumme bis Ende November, um diesen Ausflug machen zu können. Ich mache es kurz. Ende November hatte ich die Summe zusammen. Ich schenkte mir die abenteuerliche Reise zum Geburtstag und buchte 2 Nächte in den Prayer-Homes, den Gästezimmern des Gebetshauses.

Im Gebetshaus

Ich wurde sehr persönlich begrüßt und durch den Blumengang zu meinem stylischen Zimmer geführt. Dort gab es ein berührendes Gebet für meinen Aufenthalt. Ich weiss nicht, ob es üblich ist, gemeinsam zu beten. Da bin ich nicht so drin. Deshalb hat der Mitarbeiter für mich gebetet. Ich fand das sehr angenehm, weil er so schöne Worte gefunden hat. Da hab ich mich gleich wohl gefühlt.

Das Zimmer war ein bisschen gewöhnungsbedürftig (die Tapete!), aber irgendwie auch toll eingerichtet. Schlicht und opulent in gleicher Weise, auf jeden Fall geschmackvoll. Es war barrierefrei mit einem geräumigen rollstuhltauglichen Bad.

Ich nutzte meine Ankommzeit, um nochmal eine Kleinigkeit einzukaufen, weil das Café schon geschlossen hatte. Da ich sehr erschöpft war, ging ich früh schlafen.

Meinen Morgen startete ich mit etwas Stretching, Meditation und Zeit für mich, bevor ich mich ins Café zum Frühstücken begab. Ich fühlte mich schlapp und aufgelöst. Schon im Zimmer hatte ich viel geweint, weil einfach viele Gedanken hochblubberten – Hilflosigkeit, Schlappheit und Verzweiflung. Beim Frühstück liefen die Tränen einfach weiter. Ich war voll und lief über. Das war gleichzeitig auch wohltuend.

Ich wurde (in einem gefassten Moment) von einer Mitarbeiterin noch einmal persönlich begrüßt. So richtig mit Name und in freundlich. Ob ich Fragen hätte und was wissen wollte. Ich wollte mich jedoch erstmal umsehen und ein bisschen in die Stimmung einfinden. Das war ja doch alles neu für mich.

24 Stunden Gebet

Das Konzept des Gebetshauses ist, ein Ort zu sein, an dem 24 Stunden am Tag gebetet wird. Ich konnte mir darunter nichts vorstellen. Es gibt einen Gebetsraum. Dort ist eine Bühne, wo Musiker Lobpreislieder spielen und singen. Die Texte werden über einen Bildschirm eingeblendet, sodass man mitsingen kann. Die Angebote wechseln stündlich. Es gibt Lobpreis, Fürbitten und andere Gebete. Der Gebetsraum ist hell, freundlich und hochwertig eingerichtet. Es gibt Stuhlreihen und kleine Tische am Rand, um sich Notizen zu machen. Wer mag, kann eine Filzmatte und einen Sitzbänkchen nehmen und auf die Knie gehen. Viele BesucherInnen sind auch einfach hin- und her gelaufen.

Ich habe still zugehört. Die Musik fand ich meistens sehr schön (mit Lobpreis hab ich schon auch andere Erfahrungen gemacht), die Text haben mich manchmal angesprochen, manchmal große Fragezeichen in meinem Kopf hinterlassen. Das ist schon doch auch eine mir fremde Welt. Ich musste meinen inneren Kritiker mehr als einmal zur Ruhe bitten, um ins Fühlen zu kommen.

Ich war mehrmals im Gebetsraum. Es hat sich immer wieder anders angefühlt. Manchmal war ich ein Tränenmeer, manchmal kamen Antworten und Impulse auf Fragen aus meinem Herzen. Manchmal habe ich mir Notizen gemacht, manchmal habe ich gezeichnet. Manchmal sass ich einfach nur still da, manchmal habe ich sogar mitgesungen.

Schönheit

Im ganzen Gebtshaus liegt der Fokus auf Schönheit. Das sieht man nicht nur an der Gestaltung der Zimmer, sondern in vielen kleinen Details. Gott liebt Schönheit. Und so findest du auch im kleinen Shop viele inspirierende und gut gestaltete Bücher und CD’s, Karten und Notizbücher mit dem Fokus auf guter Gestaltung. Ich sass auch eine ganze Weile in der Shopecke und liess mich von den Büchern inspirieren. Dort gab es viele Veröffentlichungen des Gebetshausgründers Johannes Hartl. Auf youtube und Instagram kannst du ihn ein bisschen kennenlernen und seine Impulse und Musik anhören.

Mein Tag im Gebetshaus war also ein stetes Mäandern zwischen Gebetsraum, Café, einem Draussenspaziergang und meinem Zimmer. Ich hatte geplant, in der Zeit offline und frei von Ablenkung zu bleiben, habe diesen Vorsatz aber aufgegeben. Ich brauchte den Kontakt nach draussen, um mich nicht in meinen Tränen zu verlieren und in einen Strudel gezogen zu werden, wo ich keinen Halt finde. Also ging ich hin und wieder draussen spazieren, schrieb mit meiner Familie und Freundinnen, checkte Emails und schrieb mir meine Aufgabenlisten für die Zeit, wenn ich zurück komme. Das war gut und ausgewogen so. Ich hatte dennoch genug Zeit mit mir selbst, den schönen und unschönen Gefühlen.

Etwas schade fand ich, dass sich keine Gespräche ergeben haben. Das lag aber eher an meiner Unnahbarkeit, denn die Atmosphäre im Gebetshaus war durchgehend freundlich, offen und zugewandt. Ich war überrascht, dort so viele junge Menschen zu treffen.

Und nun?

Auf dem Rückweg war ich noch auf ein Stündchen bei einer Freundin, die mir half, meine Eindrücke zu sortieren und mich wieder aus meinem Tränenmeer herauszuholen. Das geht übrigens am Besten über den Körper. Wir redeten, lachten, hinterfragten und sangen noch eine Weile, bevor ich dann nach Hause zu meiner Familie fuhr. Nun bin ich noch immer am Sortieren und Wirkenlassen der vergangenen Tage.

4 Gedanken zu „Mein Ausflug ins Gebetshaus

  1. Hey Ramona, cool da hat Gott direkt zu dir gesprochen. Manchmal verstehen wir erst rückblickend warum uns Gott zu diesem Zeitpunkt zu genau diesem Ort geschickt hat ;) alles Liebe Sandra

  2. Bin zum ersten mal hier bei Dir und wußte nicht mal, daß es solche Häuser gibt. Habe Deinen Post mit Interesse gelesen und bin sicher, wieder hier vorbeizuschauen.

    Nana

  3. vielen dank fürs mitnehmen. das sieht wirklich ganz wunderbar aus dort. und ich vermute, es wird noch lange nachklingen in dir… bei mir geht aus auch gerade tränenreich zu. es scheint, als müsste ich mir mein vertrauen in bestimmte zwischenmenschliche bereiche immer wieder neu erarbeiten. sehr mühseeliger und kräftezehrender prozess. dass wort ‚wohlwollend‘ taucht auch immer wieder mal auf und ich spüre dem nach. spannende vorweihnachtlichevollmondzeit :-)
    hab es fein!

  4. das ist auch für mich etwas Neues ..
    und ich weiß nicht ob es mir zusagen würde ..
    ich denke ich würde da eher eine Freizeit in einem Christlichen Heim wie z.B. Patmos oder ähnlichen nehmen
    dort ergeben sich die Gespräche aus dem Miteinander
    sehr schön waren kreative Kurse dort

    ich hoffe du hast etwas für dich mitnehmen können

    liebe Grüße
    Rosi

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