Vom Flüchten

Vom Flüchten

Als ich zum Frauencamp gefahren bin, habe ich mir extra ein bisschen mehr Zeit für die Anreise genommen. Ich bin die mir vertrauten Wege abgefahren und habe einen Stopp zum Bummeln und Mittagessen in Kühlungsborn eingelegt. In Kühlungsborn habe ich während meines Studiums in Heiligendamm gelebt. Ich war im Buchladen schmökern, am Strand spazieren und im Restaurant „Strandperle“ essen. Das Restaurant habe ich vergangenes Jahr zusammen mit einer Freundin entdeckt und für gut befunden. Auch dieses Mal war das Essen köstlich und das Ambiente wunderbar.

  

In Kühlungsborn steht ein Grenzturm, der als Denkmal und Museum hergerichtet ist. Viele Infotafeln erzählen ein Stück deutsche Geschichte. Auf der Website kannst du viel darüber lesen.

Persönliche Geschichten von Verzweiflung, Verfolgung und geglückten und gescheiterten Fluchtversuchen. Mir wird immer ganz eng im Herzen, wenn ich solche Geschichten höre oder lese. Mit Luftmatratzen und kleinen Schlauchbooten, sogar die Ostsee durchschwimmend, versuchten Menschen die DDR und ihr eingeengtes Leben zu verlassen.

Die Ostsee wurde als Grenzgebiet streng überwacht. Kontrollstreifen patroullierten und die Grenztürme sorgten für weite Sicht über das zu beobachtende Gebiet. Ein Fluchtversuch war in vielerlei Hinsicht lebensgefährlich. Lange im Voraus wurde die Route, der Zeitpunkt und die Ausrüstung geplant, um dann, möglichst im Nebel und im Dunklen, die DDR heimlich zu verlassen.

Und dann denke ich an heute. An die vielen verzweifelten Menschen, die aus Kriegsgebieten und Unterdrückung fliehen. Die alles zurücklassen, nur mit der Hoffnung im Gepäck aufbrechen in die Ungewissheit, in ein anderes fremdes Leben. An die vielen überfüllten Boote, die Menschen, die ihr Leben auf der Flucht lassen, ertrinken oder unter anderen Umständen sterben. Und wie wir hier mit ihnen umgehen. Dann frage ich mich, wo Empathie, Menschlichkeit und Liebe geblieben sind. Dann frage ich mich auch, wie wir handeln würden, wären wir betroffen und zur Flucht gezwungen. Wieviel Verzweiflung, Trauma und Sehnsucht nach einem anderen Leben in den Herzen steckt. Das macht mich so traurig. Und gleichzeitig bewundere ich den Mut der Menschen, vertrautes und schmerzhaftes zurückzulassen und dort hinzugehen, wohin die Hoffnung sie trägt.

Gelesen :: Sika, die weiße Königin

Auch das Buch, was ich auf meiner Reise gelesen habe, passt gut in dieses Thema rein. Das Buch ist eine Autobiografie und sehr berührende Geschichte von Manuela, die als Findelkind in ihr Leben gestartet ist und jetzt hier bei uns im Nachbardorf lebt.

Manuela und auch ihr Mann Jules können von Verfolgung, Enge und Eingesperrtsein, von Flucht, Leid und Schmerz erzählen. Von Verlust, aber auch Hingabe, Hoffnung und Liebe. Und von ganz viel Mut.

Ich habe das Buch sehr gern gelesen. Es ist berührend, liest sich flüssig und ist sehr unterhaltsam geschrieben. Zwischendrin dachte ich immer wieder, wie faszinierend es ist, wieviel ein einziger Mensch an Leid und Geschichte tragen kann. Und wie uns am Ende jede einzelne Erfahrung zu dem macht, der wir sind. Ich mag Lebensgeschichten.

Sika, die weisse Königin. Manuela Samlan, Knaur*

Fluter

Zum Thema Flucht gab es auch eine ganze Ausgabe der Zeitschrift Fluter. Diese Zeitschrift ist ein Magazin der Bundeszentrale für politische Bildung und widmet sich in jedem Heft einem anderen Thema. Fluter kann man als kostenloses Abo auf der Website bestellen.

 

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