Zurück im Gebetshaus

Zurück im Gebetshaus

Letztes Jahr im Dezember bin ich einem Ruf gefolgt und ins Gebetshaus nach Augsburg gegangen. Wie es mir dort ergangen ist, habe ich ausführlich aufgeschrieben. Weil ich zu dieser Zeit so aufgewühlt war, wollte ich noch einmal hin. So buchte ich mir auf meinem Weg nach Treuchtlingen erneut eine kleine Auszeit im Gebetshaus.

Diesmal verabredete ich mich mit einer Frau aus der Bibel Art Journaling Gruppe auf Facebook zum gemeinsamen Abendessen und  Journaling. Der Start war etwas holperig. Ich reiste mit der Bahn an und musste eine Weile warten bis ich mein Zimmer beziehen konnte. Diesmal hatte ich eins im ersten Stock. Jedes Zimmer ist individuell gestaltet und sieht anders aus. Das Bild über meinem Bett beeindruckte mich sehr. Am liebsten hätte ich es mit nach Hause genommen. Ich verräumte meine Sachen, machte mich etwas frisch und traf mich mit meiner Verabredung im Gebetshauscafé. So konnten wir uns erstmal kennenlernen. Dann fuhren wir gemeinsam zum Italiener Pizza essen. Nach dem essen, es war mittlerweile schon dunkel, klappten wir zurück im gebetshaus endlich unsere Art Journaling Bibeln auf und tauchten in die Texte und Materialien. Ich hatte vorher im Bibleartjournaling-Blog gerade einen Beitrag zum Thema Zuversicht und Abendrot gelesen. Diese vorgeschlagene Bibelstelle nahmen wir gleich für unseren kreativen Ausbruch.

Gegen 22 Uhr wurden wir müde, und unsere Wege trennten sich. ich hatte das erste Mal gemeinsam mit jemandem in der Bibel gestaltet. Hat sich gut angefühlt. Würde ich gern öfter tun. Die Nacht war etwas unruhig. Ich schlief flach und träumte viel.

Ein Tag zwischen Gebet und Arbeit

Ich erklärte die Nacht gegen sieben Uhr für beendet und ging nach unten. Ich wollte gegen acht Uhr in der Kapelle sein, das ist ein kleiner dunkler Raum mit einem goldenen Jesus. Dort sollte ein (katholisches?) Morgengebetsritual, dessen Name ich nicht mehr weiss, stattfinden. Ich betrat den Raum und war anfang ganz allein darin. Ich genoss die Stille und den leichten Weihrauch-Geruch. Allerdings war ich innerlich auch unruhig. Es kam noch eine Familie hinzu und dann vier Herren mit Bibel. Plötzlich fühlte ich mich nicht mehr so wohl. ich wusste nicht, was mich erwarten würde, was von mir erwartet würde, was ich da überhaupt tat. Also blieb ich lieber in meiner Komfortzone und schlich mich noch rechtzeitig davon.

Frühstück war noch nicht fertig aufgedeckt, also verbrachte ich noch eine halbe Stunde beim morgendlichen Lobpreis im Gebetsraum. Lobpreismusik gefällt mir nicht immer. Oft finde ich sie zu kitschig, Schlager-mässig und sie erreicht mich emotional nicht. Diesmal war Andi Ziller im Gebetsraum, dessen Musik ich gern mochte. Das war mir schon beim letzten Mal aufgefallen. Also liess ich mich eine Weile davontragen bevor ich zum Frühstück ging.

Während des Frühstücks hatte ich kurze nette Unterhaltungen mit den Menschen im Café. Familien mit kleinen Kindern, die auch Gäste waren und eine Gebetshausmitarbeiterin, die alle Gäste persönlich nach ihrem Befinden fragte. Das ergab eine schöne Athmosphäre. Nach dem Frühstück nutze ich die Zeit für einen Spaziergang zur Apotheke, um mich mit Halswehtabletten und Kamillosan einzudecken. Ich hatte am Abend Halsschmerzen bekommen und nichts dabei, was mir Linderung verschaffen könnte (zu Hause mache ich mir gern einen Trunk aus Ingwer, Honig und Zitrone). Danach arbeite ich eine ganze Weile an meinen Aufträgen, die ich mir mitgenommen hatte. Das mag ich gern: in einem Café sitzen, arbeiten und das leise Geklapper und Unterhaltungen als Hintergrundrauschen.

Zum Mittag aß ich meine übrige Pizza vom Vorabend und machte eine kleine Pause. Ich verbrachte nochmal zwei Stunden im Gebetsraum. Auch diesmal gefiel mir die Musik gut, ich konnte mich darauf einlassen. Nach 30 min kamen die ersten Themen hoch, Tränen kullerten und ich fühlte mich darin geborgen. Tränen haben ja manchmal auch etwas sehr entspannendes und erlösendes. Ich schrieb, zeichnete, weinte, sang mit oder hörte einfach nur zu. Dann war ich ganz schön erschöpft. Dann arbeite ich noch ein bisschen weiter bis ich am Abend zum nahegelegnen Italiener ging, um Abendzuessen. Ich mag das gern, allein im Restaurant zu sitzen, ein Rendevouz mit mir selbst. Das Essen war gut. Zurück in meinem Zimmer kümmerte ich mich um meinen Podcast. Ich habe ein paar Folgen aufgenommen und Ideen notiert. Nun bin ich gespannt, was meine innere Kritikerin mit den Aufnahmen macht, denn sie sind nur mit der Sprachmemo-Funktion des Handys und rauher Erkältungsstimme aufgenommen.

Am Mittwoch morgen checkte ich aus und setzte meine Reise nach Treuchtlingen fort.

Mein Fazit

Es ist immer noch gewöhnungsbedürftig für mich, Gott über Lobpreis näher zu kommen, aber es funktioniert, wenn ich mich drauf einlasse. Das nächste Mal suche ich mir einen anderen Ort für eine Auszeit, denn obwohl mir das Gebetshaus sehr gut gefällt, fühlt es sich nicht ganz stimmig an, dort zu sein. Vielleicht ist ein naturnaher Ort passender für mich. Gemeinsames Bibel Art Journaling macht mir Freude. Ich fühlte mich reich beschenkt von den Begegnungen im Gebetshaus. Alleinzeit tut mir gut, war aber insgesamt zu kurz. Ich hätte mindestens noch zwei weitere Tage dieser Art gebraucht.


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Ein Gedanke zu „Zurück im Gebetshaus

  1. Vielleicht wäre die Abtei Lichtenthal in Baden-Baden mit ihrem Auszeit- und Kursangebot (Meditation, malen, Kalligrafie etc. ) eine gute Alternative?
    Danke für die spannenden Einblicke und eine gute Woche für dich.
    Gruß Daniela

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