unterwegs

Zweites Oktoberwochenende 2020 – Bamberg

An diesem zweiten meiner Abwesenheitswochenenden im Oktober hat es mich nach Bamberg verschlagen. Bereits im April wollten wir dort ein Freundinwochenende verbringen, was wir aus bekannten Gründen aber verschieben mussten. Also waren wir jetzt dort und verbrachten zwei gut gefüllte und eindrucksreiche Tage.

Weltkulturerbe Bamberg

Bamberg wurde im Krieg kaum zerstört, sodass die mittelalterliche Bauweise und histroische Stadtstruktiren über mehrere Jahrhunderte noch gut erhalten sind. Deshalb wurden drei Stadtteile von Bamberg zum UNESCO Weltkurlturerbe ernannt. Es gibt eine Vielzahl von kleinen schiefen Häuschen und engen Gassen. Eine kleine Zeitreise. Dazwischen thronen riesige Kirchen und der Dom. Wir haben wirklich viele davon besichtigt und doch nicht alle gesehen. Ich mochte die kleinen Details an Türen und Fenstern ebenso wie die Farbigkeit der Häuser. In einem solchen Häuschen hatten wir unsere Unterkunft. Das kleine weiße im Bild.

Wir schliefen in einem gemütlichen Zimmer im Bett unter alten Holzbalken. Im Haus gab es eine Küche, sodass wir uns selbst versorgen konnten. Auf dem Markt kauften wir uns frisches Obst und Gemüse und heisse Maroni. Am Samstag sind wir ganze 15 km durch und um die Stadt gelaufen. Um das Kloster St. Michael herum gibt es einen Wanderweg, der sich Schöpfungsweg nennt. Er führt durch die klösterlichen Anlagen der Benediktinermönche. Sie kultivierten gemäss Gottes Auftrag, die Schöpfung zu bewahren (Buch Genesis), ihr Land. Weinbau, Obstgärten und Quellen zeugen noch heute von diesem Anliegen.

Am Abend waren wir ganz schön platt und hatten schmerzende Füße. So viel bin ich sonst nicht zu Fuß unterwegs. Wir sind mit einer kleinen Fähre gefahren, haben die Häuser bewundert und uns vorgestellt, wie die Menschen damals wohl lebten und arbeiteten. An vielen Orten wurde Geschichte spürbar, durch Tafeln, Denkmäler und auch Stolpersteine. Davon habe ich viele in der Stadt entdeckt. Sie machen mich immer wieder nachdenklich. Wir haben darüber gesprochen, wie mutige Menschen Widerstand leisten und was unser eigener Beitrag ist oder sein kann, gegen Ungerechtigkeit vorzugehen.

Freude und Schönheit jeden Tag

Am Sonntag morgen waren wir in einem Gottesdienst in der St. Stephan Kirche. Die Predigt und die Ausstrahlung des Dekan hat uns richtig gut gefallen. Auch er nahm Bezug auf das Schicksal der jüdischen Bürger der Stadt im dritten Reich, als er ein paar Worte über die Pandemie verlauten liess und darüber, wie manche Menschen die Maßnahmen mit dem Holocaust vergleichen.
In seiner Predigt (mit der Lesung von 5.Mose 30, 11-14) erinnerte in diesen Zeiten all die Freude und Schönheit, all das Gute im Kleinen wie im Großen und legte uns ins Herz, danach unser Handeln auszurichten. Ganz berührt sind wir jedenfalls in den Tag gestartet und haben noch ein paar Kilometer Bamberg bestaunt.

Zum Beispiel das allseits präsente Bamberger Apfelweibla. Ganz klar, dass wir den finden wollten. Und siehe, er war ganz nah bei unserer Unterkunft. Dieser Türknauf kommt in einer Erzählung „Der goldene Topf“ von E.T.A. Hoffmann vor.

Da stand er nun und schaute den großen schönen bronzenen Türklopfer an; aber als er nun auf den letzten die Luft mit mächtigem Klange durchbebenden Schlag der Turmuhr an der Kreuzkirche den Türklopfer ergreifen wollte, da verzog sich das metallene Gesicht im ekelhaften Spiel blauglühender Lichtblicke zum grinsenden Lächeln. Ach! es war ja das Äpfelweib vom Schwarzen Tor!

Insgesamt war es also ein richtig schönes, rundes und buntes Wochenende. Bamberg ist wunderschön mit all seinen Häusern, Kirchen, Brücken und Details zum Entdecken. Es wirkt sehr liebevoll erhalten, und war gut besucht.

Am Sonntag habe ich auf der Rückreise noch einen Zwischenstopp in Nürnberg eingelegt, wo ich bis Montag blieb, um noch etwas zu arbeiten, einen Übergang zu haben und entspannt in die Woche gehen zu können. Eine gute Entscheidung, denn hier tobt wieder der Familienalltag.


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4 Kommentare

  • Maren

    Vielen Dank für deine Eindrücke! Meine Schwester wohnt bei Bamberg, aber weil das von uns Nordlichtern so weit weg ist, war ich bisher nur einmal kurz da (und schon in diesen wenigen Stunden sehr beeindruckt). Jetzt habe ich durch dich schon ein paar Ideen bekommen, was wir uns auf der geplanten Deutschlandtour nächstes Jahr anschauen können :). LG Maren

  • Sabine Dilli

    Ein wunderbarer Bericht mit traumhaften Bildern – herzlichen Dank Ramona, ein echter Tipp für die nächste Städtetour. Herzlichst Sabine

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