_Wochenende

Drittes Märzwochenende – Gartenarbeit

Bei unserem letzten Monatsdate hatten wir uns für dieses Wochenende einen Gartenarbeitstag in den Kalender geschrieben. Da wollten wir viele im Garten anstehende Dinge erledigen: Büsche zurückschneiden und einige davon ausgraben und umsetzen, neue Büsche einpflanzen, Die Beete vorbereiten, Unkraut jäten und den Gruschel rund ums Haus aufräumen. Da hatte sich schon wieder einiges angesammelt. Ausserdem haben wir die Gartenmöbel rausgestellt und die diesen Winter nicht benötigten Schlitten wieder verstaut.

Use what you have

Die abgeschnittenen Äste und Zweige stapele ich jetzt am Rand zum Nachbargrundstück als Totholzhecke. Der Mann hat mir aus Brettern, die wir noch vom Bau übrig haben und dem Lattenrost eines Ikea-Hochbetts Beete für den Garten gebaut. Und das, obwohl ich ihm noch am Vormittag sehr wütend den Inhalt meines Wasserglases entgegengeschleudert habe. Das ist wohl Liebe, was?

Ich freue mich jetzt richtig, wenn ich aus dem Fenster in den Garten schaue. Soviel Vorfreude darauf, Samen zu säen, Pflanzen wachsen zu sehen und (hoffentlich) zu ernten. Dieses Jahr bin ich richtig motiviert. Ich lese Gartenbücher, mache mir pläne und studiere Pflanzempfehlungen. Ich habe sogar Saatkartoffeln zum Keimen ans Licht gelegt, damit ich sie im April in die Erde legen kann. Aufregend!

Im Garten blühen Krokusse und Priemeln, die Hyazinthen strecken schon ihre Köpfe aus der Erde und meine Schachbrettblumen sind auch schon kurz vor der Blühte. Hach.

Auch unser Lager, was ja zu unserem Gewerbe gehört, brauchte mal wieder eine Aufräumaktion. Da stapelten sich wild Verpackungskartons und schnell abgestellter Kram. Damit waren wir das ganze Wochenende beschäftigt, aber am Ende ist es doch immer eine sehr befriedigende Tätigkeit. Man sieht, was man getan hat. Ein paar Dinge habe ich auch gehen lassen. Mit etwas Sentimentalität zum Beispiel die letzten Kassetten, an denen ich festgehalten habe. Erinnerungen an meinen ersten Freund, der mir eine kleine Reise durch die Musikgeschichte aufgenommen hat oder an meine Brieffreundinnen in Finland, die mir Kassetten mit ihrer liebsten Musik zusammengestellt haben. Das geht heute gar nicht mehr. Diese persönlichen Freundschafts- und Liebesbeweise per Musik und handbeschriftetem Booklet.

Social Distancing

Seit Freitag trudeln hier auch die Emails zu den Coronavirus-Schulschliessungen ein. Ich habe mich sehr über die sachliche, stressfreie und unaufgeregte Informationsweitergabe der Schulen gefreut. Und ich möchte nicht als Lehrerin oder gar Direktorin das Wochenende verbracht haben. Da habe ich große Achtung vor den Menschen, die das jetzt alles entscheiden und koordinieren müssen.

Mit der Tochter war ich also am Samstag noch in München an ihrer Schule, damit sie ihre Sachen aus ihrem Spind holen konnte, um zu Hause zu arbeiten. Sie war bereits Ende letzter Woche nicht mehr in der Schule, weil ihr der lange Schulweg täglich nicht mehr geheuer vorkam.

Es folgten Emails von der Wasserwacht/BRK Kreisverband (kein Training, keine Weiterbildungen – ausser Corona-Schulungen), Beratschlagungen innerhalb unseres Sensory Awareness Kurses (setzen wir aus) und mit meiner Freundin, mit der ich Anfang April einen Ausflug nach Bamberg geplant hatte (wir verschieben ihn). Der Mann wollte noch unsere fälligen Bücher zur Bibliothek zurück bringen, da hatte diese schon geschlossen. Jetzt haben wir für die nächsten Wochen genug Spiele und Bücher daheim.

Schönheit, Vertrauen und Selbstfürsorge

Am Sonntag habe ich meinen Fastenzeitkurs verschickt. Wir beschäftigen uns ja gerade mit der Liebe als Grundenergie, was ich gerade in dieser Zeit sehr passend und hilfreich finde. Im Kurs gibt es immer auch eine kleine Kreativinspiration. Diese Woche sind das Origamiherzen.

Wir hatten am Wochenende wirklich herrliches Wetter und einen klaren Blick auf die Berge. Es war sonnig, aber gleichzeitig auch kühl und etwas windig. Ich bin eh ein wenig angeschlagen und fühle mich wetterfühlig und müde. So bin ich jeden Abend möglichst früh ins Bett gegangen und habe mir Gutes getan. Heute morgen musste ich mir eingestehen, dass ich möglicherweise nicht ganz so stabil bin, wie ich dachte und die ganze Corona-Thematik doch in mir wirkt. Ich mache mir im Kopf keine Sorgen, fühle mich nicht beängstigt oder panisch. Aber auf einer anderen Ebene reagiert mein Körper darauf. Schliesslich sind auch unsere Einnahmen von der ganzen Lage betroffen. Wir sind beide Selbständig, der Mann hat Ausbildungen und spielt auf Veranstaltungen und in Yogazentren Gong. Ich arbeite an der Schule (die jetzt geschlossen hat) und bekomme meine Stunden nicht pauschal, sondern nach Anwesenheit bezahlt. Das sind alles Einnahmen, die jetzt wegfallen. Ich glaube, das macht tief drinnen was mit mir.

Deshalb möchte ich besonders achtsam mit mir sein und tief in die Selbstfürsorge-Schublade greifen. Unser Gartentag war da schon sehr gelegen: körperlich tätig sein, den Blick auf das Schöne richten und den Kopf aus den Nachrichten halten. Ich habe schon wieder viel zu viel Zet auf Twitter verbracht und die Corona-News gelesen. Weil es mich ja auf einer Ebene auch interessiert. Abzuwägen, was mir gut tut und was nicht, das ist jetzt meine Aufgabe.

Also gehe ich spazieren, bete, spüre meinen Körper und schreibe Tagebuch. Ich freue mich über den Garten und die duftenden Veilchen, über das wilde Vogelgezwitscher und den frischen Bärlauch, den die Tochter so reichhaltig geholt hat, dass ich am Wochenende nochmal vier Gläser zu pesto verarbeitet habe. In letzter Zeit gab es hier oft Pasta mit Bärlauchpesto.

Ausblick auf die Woche

Die Kinder sind daheim. Sie haben eine Auswahl an Aufgaben erhalten, die Schule ersetzen. Da bin ich gerade froh, dass sie eh gewohnt sind, realtiv selbständig an ihren Aufgaben zu arbeiten und die Schule keinen Druck macht. Ich habe ein großes Puzzle bereitgelegt, für den Fall, dass das Wetter schlechter wird und die Jungs nicht mehr nach draussen können. Der Mann und ich versuchen derweil so gut es geht unsere anstehenden Arbeiten auch mit vollem Haus zu erledigen. Ich betreue den Kalligrafie-Onlinekurs zu Textura, schreibe meine Newsletter und mache mir heute noch einen Wochenplan für die kommenden Tage. Es ist ja kein Urlaub, nicht?

Wie geht es dir gerade? Was besorgt dich, und wo wünschst du dir gerade Unterstützung?


Hat dir der Beitrag gefallen? Wie StrassenkünstlerInnen der Hut, steht hier im Blog eine Teekasse. Nur eben virtuell. Wenn du magst, kannst du mir einen Tee ausgeben. Oder Farben und Papier. Danke für die Wertschätzung <3

 

2 Kommentare

  • andrea

    für alle selbstständigen läuft gerade eine online-petition für ein bedingungsloses grundeinkommen die nächsten 6 monate.
    ich verlinke das hier mal, denn ich glaube, das wäre für viele ein segen.
    http://chng.it/ZJfbGWstNZ

    das kartoffelcurry war sehr lecker :)
    mein papa würde jetzt sagen.
    Haltet die Ohren steif!
    liebesgrüße,
    andrea

    und hier noch was zum meditativen wogenglätten:

    Manchmal,
    wenn es stürmt auf dem Meer,
    so sehr,
    dass die Wellen anfangen sich zu fürchten,
    lässt das Wasser,
    das eben noch Welle war,
    sich herabsinken,
    hinunter in das tiefe, weite Dunkelblau
    wo hauchzarte Lebewesen schweben
    und es kühl ist und
    still.

  • Mathilda

    Wir berekten uns im Büro gerade aufs Homeoffice vor. Das nervt mich etwas, weil ich von zuhause aus viel unkonzentrierter arbeite u vieles ohne den Austausch kaum geht. Und das dann über Wochen?! Aber ich jammere auf hohem Niveau. Selbständige u Kleinstbetriebe werden schwer zu kämpfen haben, das bekomme ich bei meiner Partnerin mit. Da hoffe ich sehr auf die groß angekündigten Finanzhilfen. Ansonsten genieße ich die Sonne u alles, was blüht.

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