_Wochenende

Viertes Aprilwochenende

Das Wochenende ist schnell erzählt, denn ich habe gefühlt die meiste Zeit herumgelungert. Das stimmt natürlich nicht. Ich habe mit den Kindern Masken genäht, ich war Laufen, Spazieren, habe gelesen und die Pflanzen im Garten gewässert. Ich schaue ihnen beim Wachsen zu.

Zwischen den Dingen passiert noch allerlei anderer Kram. Familienleben eben. Schule, Arbeit, Wäsche waschen, staubsaugen, Essen kochen.

Ich verstricke gerade die orangene Glitzerwolle, die mir Michaela geschickt hat. Dafür habe ich mich extra ein hübsches Muster ausgesucht, damit es keien einfachen Stino-Socken werden. Glitzer verlangt nach bisschen mehr Aufwand. Entsprechend langsamer gehen sie voran, weil ich immer wieder auf die Anleitung schauen muss, statt gedankenlos vor mich hinzustricken. Alle in diesem Jahr schon fertig gewordenen Socken sammle ich in einer Kiste. Fünf Paare wohnen schon darin.

Am Wochenende sind, wie schon erwähnt, ganz viele Masken entstanden. Die Tochter konnte kaum aufhören. Immer neue Farbkombinationen sind ihr aus meiner Stoffkiste eingefallen. Und Modelle. Sie hat sogar begonnen, einige Schnittmuster abzuändern und ihren Bedürfnissen anzupassen. Ich habe eine für den Mann genäht und den Jungs inclusive Nachbarsjunge beim Nähen assistiert. Das war ein schöner Samstagsvormittag mit geschäftigem Treiben und freudigen Nähern im Haus. Die Kinder sind sind stolz auf ihre Masken und gewöhnen sich daran. Sie adaptieren sowas viel schneller als wir Erwachsene, die es ungewohnt und befremdlich finden.

Am Abend habe ich die Ruhe in meinem Bett genutzt, um an meinem Onlinekurs zu arbeiten (Struktur, festlegen, welche Videos ich in welchem Modul zeigen möchte, welche Themen ich abdecken will und was es noch alles braucht). Sind ja nicht mehr so viele Tage bis zum Start. Wenn du dabei sein möchtest, schau mal hier rüber.

Sonntag

Heute morgen ist der Sterngucker vor mir aufgestanden und kam nach einer Weile an mein Bett, um sich die Zutaten für Pfannkuchen aufschreiben zu lassen. Ich habe ihm alles aufgeschrieben, allerdings nur mit Mengenangaben für Salz und Backpulver. Er verschwand in der Küche und werkelte sich selbst einen Pfannkuchenteig zurecht (ohne Ei, weil wir keins mehr hatten). Der ist auch gut gelungen, denn als ich aufgestanden war und in die Küche kam, hatte er sich schon sein Frühstück gebacken. Die erste Fuhre ist Kaiserschmarrn geworden „weil ich versucht habe, die Pfannkuchen in der Luft zu wenden“ – ich kann es mir lebhaft vorstellen. So hatte ich ein etwas ungewöhnlicheres Frühstück als sonst. Lecker war es trotzdem. Die Reste gab es zum Nachmittagstee. Weil gespart hat er nicht, der kleine Koch.

Am späten Vormittag gab es wieder Aktzeichnen per Zoomcall vom Kunstverein. Das geht meistens über zwei Stunden und ist in zwei Blöcke unterteilt. Dann gibt es verschiedene Positionen, die das Modell einnimmt. Zu beginn, zum Warmzeichnen, gibt es drei schnelle Sessions à 5 min pro Haltung, danach haen wir etwas mehr Zeit. Die Tochter hat auch mitgezeichnet. Sie kann die Zeichnungen als Schulaufgaben geltend machen. Diesmal fand ich die Positionen sehr herausfordernd. Besonders bei schlanken Modellen fehlen oft Linien und Anhaltspunkte, weil alles glatt und faltenlos ist. Ich würde gern mal ein fülliges Modell zeichnen. Oder jemanden älteres. Das stelle ich mir rein formal viel interessanter vor. Ich bin trotzdem zufrieden mit meinen Zeichnungen. Diesmal habe ich viele schon benutzte Skizzenblätter zum zeichnen genommen, sodass mehrere Schichten und Ebenen entstehen. Mal sehen, wie sich sie weiter bearbeitet. Ich mag die Kombination aus Bleisiftzeichnungen, Linien und Schrift sehr gern.

Den Rest des Tages verbrachte ich mit Wäsche, Gesprächen, Lektüre und meiner Wochenplanung.

Gelesen

In den letzten Wochen haben sich auch neue Routinen in unserer Familie etabliert, die ich sehr mag. Zum Beispiel sitzen wir abends gemeinsam auf der Couch und schauen die Sendung mit der Maus. Dann bringe ich den Sterngucker ins Bett. Der Mann und der Wolf machen es sich mit einem Film bequem, manchmal unterhalten sie sich dabei und kuscheln. Ich ziehe mich dann ins Büro zurück und werkele noch bisschen mit Schriften oder am Blog oder ich gehe direkt ins Bett, schreibe und lese noch etwas. Zusammen mit meiner Lesezeit am Morgen – die ich, weil kein Wecker klingelt und kein Kind pünktlich zum Bus muss, noch vor dem Aufstehen geniesse – habe ich am Wochenende meine beiden derzeitigen Bücher beendet.

Frida Kahlo und die Farben des Lebens, Caroline Bernard

Das Buch hatte ich mir im Oktober in Bad Aibling gekauft, als ich mit dem Mann seine einjährige Selbständigkeit gefeiert habe. Der Klappentext klang vielversprechend, Frida Kahlo sowieso. Das Buch selbst hat mich aber mehr gelangweilt als inspiriert. Ich hatte tiefe Gefühle, Leben, Farben und ein bisschen Drama erwartet. Stattdessen war die Erzählweise für meinen Geschmack etwas flach und oberflächlich. Fridas Leben und Innenleben hat mich weder mitgerissen noch gefesselt. Ich habe das Buch dennoch zu Ende gelesen, weil es zum Abend ein seichter Übergang zur Schlafenszeit war und doch die ein oder andere Botschaft zwischen den Zeilen enthielt. Zum Beispiel, welche Priorität Kunst im Alltag braucht. Als Künstlerin. Und wie stark eine Frau sein kann und darf und soll. Ihre Lebensgeschichte ist nach wie vor beeindruckend, die Frau auch. Nur der Stil des Buches wollte nicht zu mir singen.

★★☆☆☆

Gelassen auftreten, Fleur Sakura Wöss

Das andere Buch war meine Morgenlektüre. Jeden Tag ein paar Seiten. Ich mochte von der Autorin schon das vorhergehende Buch „Innehalten“. Deshalb war ich neugierig. Die Autorin schreibt anhand ihrer eigenen Geschichte praktische Anleitungen, Tipps und Übungen zum überzeugenden Reden: bei Verhandlungen, Vorträgen und Auftritten. Weil sie aus der Zen-Tradition kommt hat sie viel östliche Weisheit um Körper, Atem und Meditation einfliessen lassen. Ich fand das Buch sehr spannend, unterhaltsam und habe viele Dinge daraus mitgenommen. Ich konnte, auch wenn ich keine Vorträge geplant habe, viel notieren über den Aufbau einer Rede, über Haltung und Wirkung eines Raumes und Wahrnehmung von Menschen. Ich habe mir ein paar Dinge für den Podcast notiert und einige Verknüpfungen, die ich aus Yoga und Kampfsport schon kannte, wiederentdeckt. Sowas mag ich immer besonders gern: wenn sich Wissen und Erfahrungen wie Puzzleteile zusammenfügen und nach und nach ein Gesamtbild ergänzen. Sehr spannend. Besonders gefallen hat mir auch das Kapitel über das Üben (ich konnte Parallelen zum Schreiben-Üben ziehen) und über immer gleich ablaufende Handlungen im Alltag und deren Bedeutung für unsere Haltung. Frau Wöss hat das mit einem Bewegungsablauf, einer Kata, im Karate verglichen. Alles, was wir täglichen machen, wirkt über das eigentlichte Tun hinaus.

★★★★☆

Als nächstes liegen wieder zwei Bücher in meinem Bett. Eine leichte Lektüre für den Abend und ein Sachbuch für den Morgen.


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Ein Kommentar

  • Micha

    Die Glitzersocken werden wunderschönen! Das Buch „Gelassen auftreten“ werde ich mir mal merken. Das ist sicher hilfreich. LG, Michaela

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