_Wochenende

Wochenende – Frischluft im Wald

Neulich noch hab ich mich beklagt, dass die Kinder, vorallem der Wolf, sich für nichts anderes mehr begeistern können als alles, was mit elektronischen Medien zu tun hat. Er schlumpert den ganzen Tag mit Kopfhörern auf den Ohren durch das Haus, versteckt hinter seinen langen Haaren, am liebsten im zu großen Onesie.

Mir geht es immer so, dass wenn ich einmal ein bisschen Abstand von Zuhause hatte, ich die Kinder und unsere Familie wieder mit anderen Augen betrachten kann. Dann fallen mir von unterwegs die Schuppen von den Augen. Meist verändert sich wie magisch dann plötzlich auch die Situation, in der wir gerade feststecken. Ein Beweise, dass alles auch mit unserer Haltung zu tun hat, nicht?

Vom Wochenende will ich erzählen. Der Mann hatte am Samstag eine Veranstaltung bei Meinl und verliess uns deshalb nach dem Frühstück bis Sonntag Mittag. Ich war mit den Kindern allein und bin immer noch erkältet. Auch der Wolf ist noch angeschlagen, deshalb war es ein ruhiges Schlumperwochenende.

Ich strickte Socken, schmökerte in Büchern, wir schauten Filme und spielten Spiele (Das Spiel im Foto ist Tac, unser neues Familienspiel, was wir uns zu Weihnachten geschenkt haben). Der Sterngucker bastelte an einem Häuschen aus Karton und war eine ganze Weile damit beschäftigt.

Am Samstag nachmittag wollten wir raus. Und zwar alle. Ohne überreden, sondern so ganz freiwillig und motiviert. Na huch?! Wir starteten also einen Spaziergang zum Wald, der Sterngucker ausgerüstet mit Taschenmesser und Rucksack, der Wolf mit seinem Radl. Im Wald wollten wir Buden bauen. Das hatte ich mal mit den Jungs bei meinen Eltern im Wald gemacht, daran erinnerten sie sich. Angekommen erkoren wir einen geeigneten Platz, dann legten sie los.

Der Wolf bemerkte, dass er Hunger hatte und es doch eigentlich nett gewesen wäre, ein Picknick mitzunehmen. Ich schlug vor, nochmal nach Hause zu gehen und ein Picknick herzurichten. Er lieh mir sein Fahrrad, damit ich schneller sein konnte. Also bauten die Jungs weiter, ich holte Essen.

Am Ende waren wir zwei Stunden im Wald und waren, wieder zu Hause, dann total erschöpft. Sind eben doch noch krank. Aber das Draussensein hat uns allen so gut getan.

Am Abend sind die Jungs doch recht früh und sehr müde ins Bett gegangen. Gerade, als ich auch schlafen gehen wollte, kam die Tochter nochmal für ein Stündchen vorbei und wir konnten ein bisschen reden, was gerade so anliegt. Wir hatten uns schon über eine Woche nicht gesehen.

Der Sonntag verlief ganz ähnlich. Ich kümmerte mich etwas um den Haushalt, die Jungs zockten am Vormittag. Gegen Mittag kam der Mann und übernahm das Mittagessen, denn mittlerweile kann ich nichts mehr riechen, weshalb auch Essen zubereiten etwas schwierig ist. Es gab Kartoffelbrei und Gemüsestäbchen. Ich hielt mich an die Reste der Gemüsesuppe vom Vortag.

Nach dem Mittagessen verzog ich mich in mein Bett für einen Mittagsschlaf. Der Mann ging mit den Jungs nochmal für knapp zwei Stunden in den Wald. Diesmal hatte der Sterngucker das Picknick zubereitet. Noch vor dem Abendessen fuhr der Mann wieder von dannen für eine Gongmeditation im Yogazentrum in München. Ich leitete das Abendprogramm ein und brachte die Jungs ins Bett.

Von Mentoren und Vertrauenspersonen

Dann schaute ich noch eine halbe Stunde den Film zu Ende (The Karate Kid), den wir am Nachmittag angefangen hatten. Irgendwas in dem Film hat mich angesprochen, und ich habe ein wenig darüber nachgedacht. In einigen so Filmen und Geschichten treffen Kinder, meistens Jungs, einen Mann, der dann ihr Mentor ist und sie machen eine Entwicklung durch. Das ist auch in der Geschichte „Der Pfad des friedvollen Kriegers“ von Dan Millmann (ich habe das Buch sehr geliebt) so. Ich merke, dass ich mir das auch für meine Kinder wünsche. Eine Vertrauensperson, einen Mentor, die ihnen wichtige Dinge des Lebens mitgibt und sie auf eine Art begleitet, wie Eltern es nicht können. Gibt es sowas? Hattest/hast du so jemanden? Oder ist das eine reine Fiktion und Wunschvorstellung, aus der die Geschichten in Filmen und Büchern gewebt sind?

Der Film hat mich aber auch an meine eigene derzeitige Un-Fitness erinnert und in mir den Wunsch erweckt, da wieder aktiv zu werden. Ich habe ja meinen Vertrag im Fitness-Studio gekündgt, nachdem ich Depressionsbedingt jetzt schon über ein Jahr nicht dort war, weil mir alles zu anstrengend war. Ich habe mich in der Zeit an Spaziergänge gehalten. Mittlerweile habe ich aber den Wunsch, wieder etwas für meine Fitness, meine Kondition und meine Haltung, zu tun. Vielleicht beginne ich mit dem, was ich habe und kann: Yoga, zackige Spaziergänge und kleine Joggingeinheiten, Übungen mit meinem eigenen Körpergewicht. Aber erstmal gesund werden.


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2 Kommentare

  • andrea

    zum thema mentorenschaft bei jungen lese ich gerade was in diesem feinen buch:
    https://www.amazon.de/Eisenhans-Ein-Buch-über-Männer/dp/3499620154
    sehr sehr empfehlenswert aus meiner sicht.
    in diesem zusammenhang auch ein filmtipp. captain fantastic
    seit dem mach ich auch wieder liegestütze jeden tag. vielleicht, um den energiehaushalt auszubalancieren,
    weil vieles mich doch eher schwach & ohnmächtig fühlen lässt.
    liebe grüße,
    andrea

  • Johanna

    Ich glaube dass Kinder sich ihre Mentoren selbst suchen, je nachdem was oder wen sie brauchen. Das können auch verschiedene Menschen für verschiedene Bereiche sein. Lehrer, Freunde der Eltern, Paten, Eltern von Freunden… Liebe Grüße aus Augsburg, Johanna

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