_Wochenende

Wochenende :: Gemeinschaft, Kreativität und Selbstwert

Vor zwei Jahren war ich schonmal mit der Tochter beim Frauenkreativseminar des Marburger Kreises im Felshaus. Das hat mir damals so gut gefallen, dass ich wiederkommen wollte. Letztes Jahr musste ich absagen, weil der Sterngucker krank war, und ich keine Betreuung für ihn hatte. Dieses Jahr hat es gepasst. Also habe ich das Auto voller Stifte, Stempel und Bücher geladen und habe mich auf den Weg nach Moosburg gemacht. Im Kreis von Frauen bin ich für ein Wochenende ganz ins kreative Tun abgetaucht.

Gemeinschaft

Das Wochenende begann also am Freitag Abend mit dem Abendessen und einer anschliessenden gemeinsamen Vorstellungsrunde. Bereits da haben wir uns kurz darüber ausgetauscht, was Kreativität denn eigentlich ist. Wir konnten uns in Gruppen kennenlernen und untereinander vorstellen. Am Samstag morgen begann das eigentliche Seminar dann nach dem Frühstück mit einem Input und Gedanken zum Thema Selbstwert und der Vorstellung der zahlreichen kreativen Workshops, die in den verschiedenen Zimmern des Hauses von einigen Teilnehmerinnen angeboten wurden.

Kreative Fülle

Da gab es Schwemmholz zum Dekorieren von Rahmen und Kerzenlichtern, freies Malen, Quilling, Nagellackblüten, Wachskarten, Notizbücher mit Tupfentechnik verzieren und Geschenktüten aus alten Kalenderblättern falten. Es gab Bienenwachstücher herstellen, Handlettering (das war mein Workshop), einen Geburtstagskalender aus Holz und vegane Aufstriche kochen. Beim ersten Mal habe ich versucht, überall mitzumachen. Dieses Mal habe ich mir bewusst nur zwei Workshops (zusätzlich zu meinem eigenen) ausgesucht. Das schöne war, dass man überall einfach reinschauen konnte oder auch workshopübergreifend arbeiten konnte. So verbrachte ich meinen Samstag vormittag beim freien Malen. Dort hatte ich schöne Gespräche und eine tolles Rendevous mit Acryfarben und Leinwand.

„Euer Schmuck soll nicht äußerlich sein – mit Haarflechten, goldenen Ketten oder prächtigen Kleidern –, sondern der verborgene Mensch des Herzens, unvergänglich, mit sanftem und stillem Geist: Das ist köstlich vor Gott.“ 1 Petrus 3,3-4

Meine Bilder sind noch nicht fertig. Ich möchte sie noch ein paar Tage liegen lassen und später ergänzen. Sie gefallen mir bisher aber schon ganz gut. Ich war wieder erstaunt, wie sehr ich im Tun versinken kann und nicht merke, wie die Zeit vergeht.

Zu den Mahlzeiten wurden wir von drei Männern liebevoll bekocht. Das mag ich ja schon sehr auf so Seminaren: sich an den gedeckten Tisch setzen, mich versorgen und verwöhnen lassen, genährt auf so vielen Ebenen zurück in den Alltag gehen.

Nach einer kleinen Mittagspause, in der ich ein Schläfchen hielt, breitete ich die Stifte für meinen eigenen Workshop aus. Ich zeigte die Grundstriche für das Brushlettering, ein paar Möglichkeiten mit den Tombow-Stiften und beriet die ein und andere Teilnehmerin bei ihren Fragen. So verging auch der Nachmittag wie im Fluge. Zwischendrin hatte ich sogar Zeit, mir ein paar Bienenwachstücher herzustellen. Das wollte ich nämlich schon immer mal selbst probieren. Diese Alternative zu Frischhaltefolien habe ich vor vielen Jahren auf amerikanischen Bligs entdeckt und damals noch direkt in den USA bestellt (als Sammelbestellung mit Caro). Jetzt sind sie auch hier sehr verbreitet und mittlerweile gibt es einige DIY-Anleitungen dafür.

Selbstwert und Selbstfürsorge

Zwischendrin gab immer wieder interessante Gespräche, Inputs zum Thema Selbstwert und Lobpreislieder in der Kapelle. Wir durften uns Gedanken über einen guten Umgang mit uns selbst machen und für uns selbst die Fragen beantworten:

  • Woraus ziehst du deinen Wert?
  • Was macht dich wertvoll?
  • Was hilft dir dabei, zu dir selbst zu finden? Wie kannst du das regelmässig in deinen Tag, dein Jahr integrieren?

Die letzten Fragen waren angeregt aus einem Vortrag von Johannes Hartl zum Thema Selbstfürsorge. Auf der instagram-Seite des Gebetshauses hatte ich diese 10 Punkte, für sich selbst zu sorgen schon gesehen und fand schön, dass sie am Wochenende nochmal aufgegriffen wurden:

  1. Sabbat: Nimm dir 24 Stunden am Tag Zeit an denen du nicht arbeitest.
  2. Medienfasten: Entspanne deine sozialen Antennen und geh offline.
  3. Fasten: weniger Energie = weniger Aktivität.
  4. Natur: In der Natur ist es viel schwerer, Gottes Gegenwart zu übersehen.
  5. Einsamkeit: Lass deien Seele zur Ruhe kommen.
  6. Kontemplation: Nimm die zeit, im Hier und Jetzt anzukommen.
  7. Herzensaustausch: Nimm dir zeit für Menschen, mit denen du tiefen Austausch hast.
  8. Sport: Aktiviere Entspannungsprozesse durch Sport.
  9. Schlaf: Gönn dir längere Ruhezeiten.
  10. Seelenfreude: Tu etwas, was dir Freude macht.

Hinzu kommen noch Kunst & Literatur und Umarmungen.

Diese Fragen sind immer wieder sehr spannend. Ich beschäftige mich schon eine Weile mit diesem Thema. Was ist Selbstwert, woraus schöpfen wir ihn und wie können wir unseren Selbstwert“muskel“ trainieren? In unserer Gesellschaft ist der Wert oft vom Tun oder Äußerlichkeiten abhängig. Wahrer Wert erwächst jedoch in unserem Sein. Das ist ein unerschöpfliches Thema für eine ganze Reihe von interessanter Gedanken.

Austausch und Miteinander

Am Abend konnten wir an einem Tauschbasar teilnehmen (leider hatte ich vergessen, Dinge mitzubringen, die ich weitergeben wollte) und uns mit einer Gesichtsmaske verwöhnen. Es gab Knabberzeug, Punsch und genügend Zeit zum Stricken. Das war sehr nett, immer wieder in den Pausen fünf strickende Frauen beeinander sitzen zu sehen.

Zur Nacht gab es das Nightlight, eine kleine Gute-Nacht-Geschichte. In einer der Geschichten ging es um Dankbarkeit. Darum, wie wir einen Dank und damit oft unsere eigene Leistung oder einen Gefallen abwerten, in dem wir Redewendungen wie „Da nich für“, „Passt schon“ oder „Nicht der Rede wert“ erwidern. Das gab nochmal einen schönen Anstubser zum Nachdenken.

Einzigartig und wertvoll

Zum Abschluss am Sonntag hörten wir eine kleine Predigt. Über unseren von Gott gegebenen Wert und unsere Einzigartigkeit. Das Thema hat mir sehr gut gefallen, die Predigt hat mich jedoch mit all meinen Widerständen zum Christentum konfrontiert. Da gibt es so viel, was ich einfach nicht verstehe und mit meinem Glauben und meiner Vostellung von Gott kollidiert. Wir durften – so wie Gott uns alle einzigartig, wunderschön und perfekt wie wir sind erschaffen hat – Perlen aus Fimo gestalten, die am Ende auch alle individuell und schön sind. Das war ein sehr schöner Abschluss. Während die Perlen im Ofen härteten, setzten wir uns zu einer Feedbackrunde und einer kleinen Ausstellung unserer schönen Werke des Wochenendes zusammen.

Nach dem Mittagessen blieb ich noch eine Weile für Herzensaustausch und Gespräche. Sehr erfüllt und genährt fuhr ich erst am Abend nach Hause. Diese kleine Übergangszeit zwischen Seminar und Familienleben hat mir gut getan. So waren die Kinder schon im Bett, und ich konnte mit dem Mann noch etwas Zweisamkeit auf der Couch geniessen und von meinem Wochenende erzählen.

***

Mein Wochenende verlinke ich zu den Wochenendeinblicken bei Alu.


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