_Wochenende

Wochenendschnipsel – Pratyahara

Ausschlafen musste ich erstmal von diesem anstrengenden Wochenende. Das hat mich ganz schön erschöpft. Frühes Aufstehen, komplexer Input, energetische Übungen und viel Kontakt mit Menschen. Zwischendrin Arbeitsgespräche mit Prana Jio, aber natürlich auch ganz viel Lachen, Lebensfreude und gutes Essen.

Dharmatraining-Refresher Wochenende

Das war also dieses Wochenende, was der Mann und ich versehentlich doppelt belegt hatten. Normalerweise ist immer nur einer von uns unterwegs, damit der andere für die Kinder da sein kann. Dieses Mal mussten wir die Kinder verteilen, weil mitnehmen auch keine Option war. Der Sterngucker hat das Wochenende bei der Oma verbracht, der Wolf bei einem Freund. Die Tochter hat eh ihr eigenes Leben. Der Mann ist also seiner Wege gefahren und ich mit der Bahn Richtung Göttingen und dann nach Gut Hübenthal ins Parimal. Das Parimal ist eine Lebensgemeinschaft, die auch Platz für Seminare inclusive Übernachtung und Verpflegung bietet. Es ist wirklich ein schöner Ort da.

Die Reise habe ich genutzt um zu stricken, zu lesen und meine Aufgabenliste zu ordnen und zu strukturieren. Vor der Abreise hab ich mich noch auf einen gemütlichen Tee mit der Tochter in der Bahnlounge am Hauptbahnhof getroffen. Sie war eh in der Nähe, weil sie ja in München zur Schule geht. Das war sehr nett.

Im Parimal hatte ich noch etwas Zeit, bevor wir uns zum Abendessen trafen. Die nutzte ich, um mein Zimmer zu beziehen – ich hatte ein Zweibettzimmer mit einer anderen, mir noch unbekannten, Seminarteilnehmerin – und einen Spaziergang zu machen. Ich brauchte dringend Bewegung und Frischluft.

Nach dem gemeinsamen Abendessen starteten wir dann mit dem Seminar, ein Dharmatraining Refresher. Dharmatraining ist eine Krisen-, Trauer- und Sterbebegleitung Ausbildung, an der ich 2017 teilgenommen habe. In der Vorstellungsrunde sollten wir kurz unseren Namen sagen, in welcher Ausbildungsgruppe wir dabei waren und ein persönliches Wunder erzählen, was seit dem passiert ist. Das fand ich total schön und berührend – diese ganzen Geschichten und persönlichen Erlebnisse von gelebten Visionen, Trauer, Trost, persönlichen Struggels und kleinen Siegen.

Workshop-Samstag

Am Morgen trafen wir uns um 5:30 Uhr zum gemeinsamen (Aquarian)-Sadhana. Das beginnt mir einem Morgengebet, dem Japji, einem Gedicht mit 38 Strophen. Danach gibt es ein Yogaset und danach eine bestimmte Reihenfolge und Anzahl von Mantras, die wir singen (mein Lieblingsteil). Insgesamt dauert dieses Sadhana ca 2,5 h, also bis zum Frühstück.

Die Versorgung im Parimal ist phantastisch. So gutes und liebevoll zubereitetes Essen zum Frühstück, Mittag und Abend. Das geniesse ich an Seminaren ja auch sehr. Einfach zum Essraum kommen, alles ist hergerichtet, ansehlich und lecker. In Gemeinschaft essen und sich auf allen Ebenen nähren. Die Grundlage ist vegetarisch, es gibt immer auch vegane Alternativen – ich muss mir also kaum Gedanken machen, was ich essen kann und was nicht.

Pratyahara

Im Refresher geht es diesmal um Pratyahara (letztes Mal war das Thema Trauer). Pratyahara ist das zurückziehen der Sinne. Alles, was wir Wahrnehmen hat eine Verbindung zu uns und damit geben wir dem, was wir erleben und erfahren eine Färbung. Aber hinter dieser Färbung gibt es eine Wahrheit. Wenn es uns gelingt, diese Verbindung zu unserer Wahrnehmung abzukoppeln, dann haben wir die Möglichkeit, einen Blick auf das Göttliche in allem zu erhaschen. Das mal so grob umschrieben mit meinen Worten. genaugenommen hat mein Kopf so geraucht von diesem Input und den Übungen, dass ich am Samstag abend (nicht nur vom Schlafmangel) völlig erschossen ins Bett gegangen bin. So spannend!

Wir leben und erschaffen unsere Welt in Konzepten. So sind wir Menschen. Mit dem Wissen, dass aber hinter allen Konzepten (wir haben es „Geschenkpapier“ genannt) reine göttliche Energie besteht, die wir nur durch das Geschenkpapier nicht sehen können, erübrigen sich im Grunde ja eigentlich auch alle Grundsatzdiskussionen und Streiterein. Ich muss da noch eine Weile drauf herumdenken (oder hineinmeditieren). Zwischendrin überkam mich ein Gefühl von Trauer und Sinnlosigkeit, weil ich so übermannt war von der Sehnsucht, eben diese göttliche Einheit zu verspüren und nicht in Konzepten gefangen zu sein.

Aber wir hatten auch wirklich viel Spaß und Lachen. Haben unser Menschsein immer wieder aufs Korn genommen, mit PartnerInnen geübt und uns miteinander ausgetauscht. Ich habe mich sehr wohl in der Gemeinschaft und das Ang (die Angebundenheit an etwas Höheres) im Sang (die angebundene Gemeinschaft, Sangat) gefühlt. So war es auch passend, das Seminarwochenende mit dem Mantra Ang Sang Wahe Guru (link zu spotify) zu beschliessen.

Nebengedanken meiner Gehirn-Monkeys

Bevor ich gefahren bin, war ich etwas zweigespalten, wie es sein würde, mich so intensiv spirituell zu beschäftigen mit Jesus an meiner Seite. Würde es ein Widerspruch sein? Ist das Anbetung anderer Götter? (nein, ist es nicht) Eben all die Gedanken und Vorwürfe, die mir so unterkommen, wenn ich mich Christinnen unterwegs bin. Um sicher zu sein, dass ich mir mein Leben diesbezüglich nicht schönrede, habe ich drum gebeten, zu verhindern, dass dieses Wochenende stattfindet, wenn es für Ihn nicht in Ordnung ist, dort zu sein und mich in diese Themen hineinzubegeben. Und ja, ich glaube daran, dass Gott diese Kraft hat. Ich war ohne irgendwelche Vorkommnisse beim Seminar. Sollte dann wohl sein.

Ohne in die Tiefe gehen zu wollen: Es war kein Widerspruch, und ich habe mich ausgesprochen integer und am Platz gefühlt. Und war trotzdem die ganze Zeit mit Ihm verbunden. Noch intensiver eigentlich als im Alltag oder im Gottesdienst. Es ist, als ob in der Kirche die Spiritualität fehlt, die tiefe Verbindung. Die Lieder und Worte erreichen mich nicht annähernd so tief wie die Erfahrungen, mich über die Techniken wie sie im Yoga gelehrt werden (Meditation, Stille, Gebet), die sich ja in der Theorie nicht von den christlichen Ansätzen unterscheiden. (ich weiss, ich lehne mich hier weit aus dem Fenster, beschreibe aber mein eigenes Empfinden ohne jemanden seins absprechen zu wollen). Ich wünschte mir, es gäbe da weniger Trennung und mehr gegenseitiges Verständnis. Weil, was ich tief in mir wieder sehr stark gespürt habe: im Kern geht es um die gleiche Wahrheit, aben nur in einem anderen Geschenkpapier.

Zurück im Alltag

Die Rückreise am Sonntag war ganz entspannt. Ich habe etwas geschlafen und kam gegen 21 Uhr zu Hause an. Am Bahnhof musste ich das Auto freikratzen. Hier hatte es etwas geschneit und ist kalt und winterlich. Endlich. Daheim erwartete mich sehnlichst ein kränkelnder Wolf, der inzwischen wieder zu Hause war. Ich meldete ihn vorsorglich von der Schule ab. So konnten wir beide heut morgen richtig lange ausschlafen, was uns gut tat. ich bin auch ein bisschen angeschlagen. Der Mann kommt dann heut Abend mit dem Sterngucker zurück. ich werde den Tag noch nutzen, um mich in den Alltag und meine Aufgaben einzufinden. Wäsche waschen, Geschirr spülen, Einkaufen, den kranken Wolf umsorgen und meine lange Aufgabenliste bearbeiten, wo einige Punkte zeitkritisch sind. Wie gut, dass ich mich auf der Bahnreise schon etwas sortieren konnte. Jetzt braucht es noch eine Zusammenfassung der am Wochenende besprochenen Punkte, dann hab ich wieder den Überblick (mal sehen, wie lange). Ich bin neugierig, wie ich das neue und aufgefrischte Wissen mit in den Alltag hineinnehmen kann.

 

4 Kommentare

  • andrea

    liebe ramona,

    danke für deinen berührenden bericht und auch das teilen der zweifel, die du in bezug auf jesus hattest.

    ich glaub, ich würde nicht im ansatz auf die idee kommen, dass jesus etwas dagegen haben könnte,
    wenn man sich (gegenseitig) etwas gutes tut. also a) warum sollte er und b) hätte er das recht dazu und wenn ja) c) warum räumen wir
    jemandem -egal wem- dieses recht ein? ich glaub sogar, er würde das gar nicht wollen…

    ich schreib das gerade auf, weil ich so überrascht bin. sowohl von deinen, als auch meinen gedanken dazu :)
    komm gut durch die woche und ein lieber gruss, andrea

  • andrea

    hab gerade noch ein bisschen weitergedacht :-)
    ich glaub, ich mach das auch manchmal:
    um ein zeichen bitten, wenn ich mir nicht sicher bin in einer sache.
    die bitte impliziert ja schon die erlaubnis.
    danke für den gedankenanstubser.

  • irka

    Du schreibst „Um sicher zu sein, dass ich mir mein Leben diesbezüglich nicht schönrede, habe ich drum gebeten, zu verhindern, dass dieses Wochenende stattfindet, wenn es für Ihn nicht in Ordnung ist, dort zu sein und mich in diese Themen hineinzubegeben.“ Ich merke, dass ich dich nicht mehr verstehe. Ging mir an anderen Ecken auch schon so, aber gerade bei diesem Satz war ich innerlich raus. Es ist etwas, das ich noch nie verstanden habe.
    Geht es nicht um Liebe, Erlösung, Freiheit, wenn es um Jesus geht?
    Warum dann die (wenn ich in diesem Glauben bleibe) von Gott gegebene Intuition für sich selber so gering schätzen? Ist das nicht eher ein zutiefst menschengemachtes Bild, diese Einschränkung? Ich lese so oft von diesem Glauben, den ich ja nun auch noch im Nebenfach studieren durfte, und es ist so einschränkend. Jesus hat mit denen geredet, mit denen keiner reden wollte, die die am Rand standen, von anderen Menschen ausgegrenzt wurden. Er war revolutionär. Er schätzte Frauen, die nicht dienten, sondern wissbegierig waren, wert. (ja, das Frauenbild im NT hat auch ziemliche Ecken, ist halt ein zeitgeschichtliches Bild). Wie gesagt, ich verstehe das nicht.
    Zudem, was sollte da schlecht an einem Schönreden sein? In einer gewaltvollen Beziehung steckend würde ich da mitzweifeln. Aber ein Seminar, das dich weiter bringt, dir wichtige Impulse gibt, dich reifen lässt, dir gut tut, was sollte daran schlecht sein? Was sollte IHM daran nicht gefallen? und hälst du, wenn schon Jesus, ihn für so kleinkariert, so unwissend, dass er so menschlich drauf reagiert?

    Irka

  • Jademond

    Ja, ja und ja! Danke für deinen Kommentar. Ich merke, wie mich die einschränkende Kritik anderer Christen verunsichert. Es ist überhaupt kein Thema, wenn ich bei mir innendrin bleibe. Da muss ich auch nicht um Erlaubnis fragen oder überhaupt hinterfragen, was ich glaube und tue. Diese Zweifel sind nicht meine eigenen, sondern aus einem „so macht man das“ und „es richtig machen wollen“ Muster (Aber wer entscheidet denn, was richtig und falsch ist, wenn das Leben eh nur aus Konzepten besteht). Gerade in euren Kommentaren wurde mir das nochmal klar. Danke!

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