_Wochenende

Zweites Septemberwochenende – Kleine Momente und viele Gedanken

Weil ich gerade so viel auf dem Zettel habe, hatte ich mir vorgenommen, am Wochenende wenigstens ein bisschen Arbeit zu schaffen. So viele Bälle in der Luft und keiner sollte runter fallen. Das geht auf Dauer nicht gut. Also habe ich am Samstag etwas gearbeitet und meine Reise-Blogposts geschrieben. Das war schön, weil ich mich beim Fotos Wählen gleich wieder an all die schönen Momente erinnert habe.

Statements und Politik

Der Sterngucker war mit einem Freund im Schwimmbad, der Mann hat derweil mit dem Wolf eine neue Regentonne besorgt. Wieder daheim kümmerten sich die beiden Männer auch gleich um das Mittagessen. Es gab Kartoffelbrei, Karottengemüse und Bratlinge. Die Bratlinge machen wir noch immer nach einem Rezept von Attila Hildmann. Da musste ich an Sandra denken, die all ihre Hildmann Bücher in die Tonne geworfen und mich damit schwer beeindruckt hat. Ich finde diese Art von Statement super und bewundere Menschen, die solche Radikalität besitzen.

Ich selber denke immer mal wieder über das Thema nach: trennt man Werk und Autor oder gehören sie untrennbar zusammen? Wieviel Autor ist in einem Werk? Wieviel Politik und Lebenshaltung kaufe ich mit? Wir haben die Bücher auch, den Typen selbst aber immer eher kritisch betrachtet. Einige seiner Rezepte haben es in unser Familienrepertoire geschafft. Seine politische Gesinnung allerdings finden wir mehr als fragwürdig, kaufen auch seine Produkte nicht mehr ein. Das, was wir da haben, werfen wir nicht weg.

Wie geht es dir damit? Das taucht ja immer mal wieder auf, gerade auch im Bio-Lebensmittel-Bereich. Firmen, die gute Produkte machen, sich dann aber irgendwo Verschwörungstheorien oder hinterfragungswürdige Haltungen haben. Beeinflusst das deine Kaufentscheidung?

Die Post brachte neben allerlei Gongständern für den Shop und Ausbildungen auch ein feines Klamottenpackerl für den Mann. Wir hatten ja in Bad Kreuznach das Label Adenauer entdeckt. Im Onlineshop hat der Mann zwei Pullover für den Herbst gefunden. Die kamen sehr hübsch verpackt an (ich mag es, wenn ein Produkt mit so viel Liebe zum Detail verschickt wird) und haben gepasst (was auf Anhieb nie so einfach ist, weil der Mann lang und schlank ist und oft die Ärmel zu kurz oder der Umfang zu schlabberig ist). So schön sieht er darin aus.

Inspirierende Newsletter

Ich verbrachte auch am Nachmittag einige Zeit am Computer mit Fotos und Blogposts, freute mich aber auch über Newsletter. Ich habe eine handvoll abonniert, die ich wirklich gern lese. Einer davon ist der Andere Zeiten Newsletter. Darin tauchte die Frage auf: „Was machen Sie, wenn andere das, was Ihnen wichtig ist, missbrauchen oder bis zur Unkenntlichkeit entstellen? Wie reagieren Sie?“ Im Newsletter schrieb der Redakteur Axel Reimann über die Ohnmacht und Wut, die er empfindet, wenn zum Beispiel Trump „auf der proto-faschistischen Krönungsmesse der Republikaner gleich zweimal einen meiner Lieblings-Leonard-Cohen-Songs missbraucht“, obwohl der Nachlass von Cohen dagegen war. Das passt doch ganz gut zu den anfangs geschriebenen Gedanken zu Attila, nicht?

In einem anderen Newsletter ging es um das Pilgern. Der Marburger Kreis veranstaltet Deutschland pilgert (hier gibt es ein Lustmachervideo – das ist ein tolles Wort!) Da gibt es eine Karte und man kann im Verlauf der Strecke einfach einsteigen und Mitlaufen, wie es passt. Die Aktion fiel dieses Jahr aus und wurde für nächstes Jahr Corona-tauglich überarbeitet. Am Ende des Newsletters waren noch eine Reihe von Links für andere Veranstaltungen. Da hat mich eine angesprochen, die auf ein Wochenende fällt, wo ich tatsächlich nichts vor habe. Eigentlich sollte da ein Klassentreffen sein, was ausfällt bzw verschoben wurde. Dann wollte ich mit der Familie ins Schriftmuseum Pettenbach fahren, weil dort eine Ausstellung meines Schriftprofessors, bei dem ich mein Diplom gemacht habe, stattfinden sollte. Nun habe ich erfahren, dass die Ausstellung ausfallen muss, weil der Professor Corona hat. Ich dünkelte also an einer kleinen Ramona-Auszeit im Oktober herum. Starkmacher!

In unserer Wohnküche hatte sich ganz schön Chaos angesammelt. Das haben wir dann in einer Familienaktion beseitigt: Wäsche gefaltet, Geschirr gespült, Böden gesaugt, Dinge aufgeräumt. Da musste jedeR mit anpacken. Leider ist das ein Fass ohne Boden und gefühlt ist dauernd irgendwas aufzuräumen.

Am Abend gönnte ich mir noch einen kleinen Spaziergang, um ein bisschen Bewegung zu haben.

Sonntag

Auch am Sonntag musste ich noch bisschen was am Computer machen. Nach einigem Hin- und Herüberlegen habe ich mich nun für das Starkmacher Wochenende entschieden und gebucht. Damit bin ich jedes Wochenende im Oktober unterwegs. Alles schöne Sachen, aber eben Reisen. Einen Termin, meinen Bamberg-Ausflug, habe ich um eine Nacht in Nürnberg verlängert, um konzentrierte Arbeitszeit für ein Projekt zu haben. Und nur für das. Manchmal ist das meine Strategie, fokussiert an etwas zu arbeiten (zu Hause bin ich schnell abgelenkt und brauche viel Selbstdisziplin.).

Im Garten auf der Wiese habe ich noch ein paar Details zu den Inhalten meines Schriftzauber-Kurses notiert, der am Mittwoch startet. Mir ist dabei wichtig, dass die Anleitungen und Erklärungen alltagstauglich und leicht umzusetzen sind. Dazu muss ich überlegen, wie ich mein Fachwissen so weit herunterbreche, dass es gut verständlich und einfach anwendbar ist. Das ist manchmal gar nicht so einfach, weil ich immer denke, in meinen Kursen nicht genug zu liefern und noch mehr erzählen und zeigen zu müssen. Am Ende war ich aber ganz glücklich mit meiner groben Strukur.

Zum Mittag habe ich Blumenkohlcurry mit Reis gekocht. Der Mann hat derweil einen Apfelstrudel für Nachmittags gezaubert, weil wir so viele Äpfel hier haben. Nach dem Mittagessen kam die Tochter mit ihrem Freund und viel Redebedarf. So saßen wir eigentlich den ganzen Nachmittag mit einer kleinen Tee- und Apfelstrudelpause und haben geredet. Später hat mir die Tochter noch ihre ganzen Hundeleinen gezeigt, die sie gemacht hat. Daran hat sie gerade sehr Freude. Von einigen haben wir Fotos gemacht, weil sie überlegt, sie zum Verkauf anzubieten.

So verging der Sonntag mit vielen Gesprächen, Kontakt und Spätsommersonne im Garten. Am Abend wollte ich noch etwas Bewegung. Während der Mann den Sterngucker ins Bett brachte, machte ich meinen Abendspaziergang. Auf der Strasse fand ich einen Schmetterling, der dann während des gesamten Spaziergangs auf meiner Schulter sass (ich wollte ihn zwischendrin immer mal wieder im Grün absetzen, aber er fand es auf meiner Schulter schöner). Als ich zurück kam, hab ich ihn in unserem Garten auf eine Blüte gesetzt.


Hat dir der Beitrag gefallen? Wie StrassenkünstlerInnen der Hut, steht hier im Blog eine Teekasse. Nur eben virtuell. Wenn du magst, kannst du mir einen Tee ausgeben. Oder Farben und Papier. Danke für die Wertschätzung <3

3 Kommentare

  • Alexa

    Natürlich ist Herrn Hildmanns Gesinnung und was er derzeit so von sich gibt absolut unterste Schublade, aber seine Kochbücher deshalb in die Papiertonne zu treten halte ich schon für ziemlich überzogen (by the way, wenn schon, dann bitte Hardcover und beschichtete Schutzumschläge getrennt in der Restmülltonne entsorgen!).
    Ich kann da sehr gut zwischen Autor und Produkt unterscheiden. Sicher würde ich mir jetzt kein Buch (oder andere Produkte) von Herrn Hildmann mehr kaufen und seine Haltung finanziell unterstützen, aber die Bücher, die ich von ihm besitze (und sowieso second hand erworben habe) bleiben weiterhin in Benutzung. Zum einen, weil sie seine politische Haltung in keinster Weise widerspiegeln (wäre das der Fall, wäre es natürlich ganz was anderes!) und nicht zuletzt, weil sie mir, meiner Familie und vielen anderen auch maßgebend bei dem Schritt, vegan zu werden, geholfen haben.

  • Micha

    Liebe Ramona,

    der Tipp mit dem Marburger Kreis ist ja super! Das kannte ich gar nicht und die Kurse / Seminare sehen zumindest von der Präsentation her ja schon mal super aus. Wenn der Bodensee nicht so weit weg wäre…
    Da werde ich aber auch mal weiter die Augen offen halten.

    Herzliche Grüße, Michaela

  • Gaby

    Ich habe keine Kochbücher von Attila Hildmann, aber ich glaube, hätte ich welche – ich würde mir die Rezepte rausschreiben, die ich gut fand und hätte die Bücher auch weggeworfen. Also bewusst in die Tonne und nicht etwa verschenkt oder ähnliches. Ich könnte den nicht in meiner Wohnung ertragen. Ist bei anderen Autoren, die gerade so nach rechts abdriften, auch eine Überlegung, aber gerade Hildmann in meinem Bücherregal könnte ich nicht ertragen. Uwe Tellkamp darf vorerst noch bleiben…

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